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Die art Karlsruhe will auch Einsteiger für Kunst begeistern © dpa
12.03.2014

Die art Karlsruhe will auch Einsteiger für Kunst begeistern

Rheinstetten. Eine riesige Lichtskulptur begrüßt die Besucher der Kunstmesse art Karlsruhe in der Eingangshalle. «Das sind Universen von Licht», sagt die Stuttgarter Künstlerin rosalie vor ihrem Werk «Chandelier», einem 16 Meter hohen Leuchter aus ineinander verwobenen Dioden.

Bildergalerie: Bilder aus der Kunstmesse art Karlsruhe

«Das ist magisch, eine ständige Verwandlung mit ganz vielen Gesichtern. Das Licht fällt, es blitzt, es funkelt, es strahlt durch das gesamte Farbspektrum.»

Messekurator Ewald Karl Schrade ist stolz auf die Installation, mit der die art Karlsruhe ein wenig an den Glanz der Art Basel oder der Biennale in Venedig anknüpfen will. Allerdings hat ihm die Künstlerin um der Lichtwirkung willen einiges abverlangt: «Sie will alles dunkel haben, die Galeristen wollen es aber hell haben.»

Und schließlich stehen die 220 ausstellenden Galerien mit ihren Werken aus Klassischer Moderne und Gegenwartskunst im Zentrum der art Karlsruhe auf dem Messegelände in Rheinstetten. Einer von ihnen ist Franz Mäder aus Basel, der schon seit acht Jahren in Karlsruhe dabei ist. «Ich komme jedes Jahr mit zwei Positionen, die man nicht kennt - das ist mein Konzept», sagt Mäder. «Ich gehe dieses Risiko ein, aber es ist überschaubar.»

Wie erkennt der Kunsthandel, ob ein neuer Künstler gut und erfolgreich ist? «Zeitgenössische Kunst ist ein Experiment», antwortet der Stuttgarter Galerist Bert Schlichtenmaier. «Ich nehme lustvoll teil an einer Sache, die mir Vergnügen bereitet. Ich bin aber bereit, auch enttäuscht zu sein, wenn sich nach zehn Jahren herausstellt, dass ich nur einem Zeitgeschmack ohne bleibenden Wert gefolgt bin.» Der Händler und Kunsthistoriker empfiehlt daher: «Zeitgenössische Kunst sollte man nicht nach kaufmännischen Kriterien kaufen.»

Geprägt wird der Messestand der Galerie Schlichtenmaier von dem zehn mal 2,10 Meter großen Werk «Voyelles» (Vokale) des in Baden-Baden lebenden Künstlers Rolf-Gunter Dienst. Der Titel nimmt Bezug auf ein Gedicht von Arthur Rimbaud, das jedem Vokal eine Farbe zuordnet. Erst in der Nahsicht erkennt man die Details eines feinen Geflechts von Zeichen in den Farbflächen. «Ein Kunstwerk will mit den Sinnen erlebt werden», sagt Schlichtenmaier. «Man kann versuchen, es zu ergründen, aber letztlich kommen wir dem Geheimnis kaum auf die Spur.»

Einfacher geht das Ergründen bei den Werken des Reutlinger Künstlers Eckart Hahn. Er hat das Facebook-Logo, den Buchstaben f, in Sandstein gemeißelt, wie ein Wegkreuz aus der christlichen Kunstgeschichte. Von kulturellen Kontrasten und Kulturkritik lebt auch ein von Hahn kostbar gestalteter Tisch, der mit Holz-Intarsien den Schriftzug des Discounters Aldi darstellt.

Die art Karlsruhe, die am Donnerstag beginnt und bis Sonntag andauert, ist Verkaufsmesse. Sie wendet sich an professionelle Sammler ebenso wie an Einsteiger. Die Preisspanne beginnt bei zehn Euro - dafür kann man bei der Luxemburger Galerie Clairefontaine ironisch verfremdete Arzneimittelpackungen erwerben. Das obere Ende liegt bei etwa drei Millionen Euro für ein Werk des Brücke-Malers Ernst Ludwig Kirchner. «Wir wollen neugierig machen auf Kunst», sagt Kurator Schrade. «Irgendwann kommt dann das Bedürfnis, selbst Kunst zu erwerben.»

Bestätigt fühlt sich Schrade von der Wiederentdeckung der Malerei in der zeitgenössischen Kunst: «Man hat mich deswegen immer als altmodisch hingestellt, jetzt bin ich Trendsetter.»

In ihrem elften Jahr ist die art Karlsruhe nach der Art Cologne (10. bis 13. April) als zweitgrößte Kunstmesse in Deutschland etabliert. «Etabliert heißt nicht, dass wir am Ziel sind, aber wir sind auf einem guten Weg», sagt Schrade. Es gebe immer noch Galerien, die er gerne in Karlsruhe sehen würde. Ein Viertel der Aussteller kommt aus dem Ausland, erstmals mit dabei sind etwa die Galerien Haas (Zürich), Cortina (Barcelona), Forni (Bologna) und Rothschild Fine Art (Tel Aviv).

Das Geschäft sei nur die eine Seite, sagt Schrade. Kunst gebe auch Orientierung für das Leben, für die Gesellschaft. «Solange die Menschen nicht in ihrer sinnlichen Wahrnehmung blockiert werden, wird auch der Kunsthandel funktionieren.»