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Für keinen Gag zu schade: Da schlüpft Michael Gaedt (hinten) schon mal in den  Bikini und stiehlt damit Michael Schulig die Schau.   Roller
Für keinen Gag zu schade: Da schlüpft Michael Gaedt (hinten) schon mal in den Bikini und stiehlt damit Michael Schulig die Schau. Roller
Lieblingsnummer: Michael Gaedt lässt sich im Gummiboot vom Publikum auf Händen tragen und singt dazu.
Lieblingsnummer: Michael Gaedt lässt sich im Gummiboot vom Publikum auf Händen tragen und singt dazu.
Im Wohnmobil aus Pappe auf der  Bühne: Michael Schulig.
Im Wohnmobil aus Pappe auf der Bühne: Michael Schulig.
07.12.2015

„Die kleine Tierschau“ auf Abschiedstournee in Remchingen

Wie aus einer längst vergangenen Zeit wirkt das, was Michael Gaedt und Michael Schulig in der ausverkauften Remchinger Kulturhalle präsentieren. Und das ist in Zeiten beliebig austauschbarer Stand-up-Comedians ein großes Kompliment. Denn die beiden schaffen es auch nach 35 Jahren als „Die Kleine Tierschau“, mit ihrer intelligent-schrägen Comedy und der charmant handgemachten Musik das Publikum an den Rand der Ekstase zu bringen. Und bisweilen auch darüber hinaus.

Die beiden Show-Veteranen spielen sich auf knallbunten Gitarren virtuos die Finger wund, legen mit Leichtigkeit einen improvisierten Stepptanz hin, schlüpfen in Windeseile von einem schrillen Kostüm ins nächste und präsentieren sich in der Rolle eines russischen Matrosen im Betonmischer, als Punkrocker mit Handfeger auf dem Kopf und in Alufolie eingewickelt als Delfine einem Publikum, das zwei Stunden lang aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

Wo gibt es so etwas noch? Künstler, die sich für nichts zu schade sind? Eine rasant-glamouröse Show, in der alles bunt ist, leuchtet und blinkt? Wenn sich die Formation nach 35 Jahren in Kürze auflöst, wird auf deutschen Bühnen etwas fehlen. Doch anstatt melancholisch zu werden, bieten die beiden in Remchingen nochmal alles auf, was sie haben, trällern mit einem Wohnmobil aus Pappe auf dem Rücken ulkig-schräge Lieder, machen Gags auf Kosten spanischer Machos und üben sich in onomatopoetischer Stimmakrobatik, bei der kein Text mehr zu verstehen ist.

Publikum muss mitmachen

Dass nicht alles einen Sinn haben muss, zeigt Michael Gaedt, als er sich im Gummiboot von seinem Publikum auf den Händen durch den Saal tragen lässt, dabei munter weiter singt und fast herunterfällt. Überhaupt ist das Publikum immer mittendrin statt nur dabei und nie wirklich vor den beiden Michaels sicher. Dass man sich ihrem Zugriff auch nicht entziehen kann, indem man sich in die letzte Reihe setzt, muss Zuschauer Martin feststellen, der sich mit Jürgen und Annika auf der Bühne wiederfindet, um dort „In a gadda da vida“ auf Autohupen zu vertonen. Den amerikanischen Rockklassiker „Smoke on the water“ präsentieren die beiden in einer eigenwilligen Übersetzung und fordern: „Rauchen Sie auf dem Wasser.“ Für alle, die den schwäbischen Dialekt los werden wollen, haben sie die „Schwaborette“ im Angebot, und Bollywood-Fans können sich über eine Tanznummer stilecht in Sari und mit Turban freuen.

Absolut sehenswert

Auch wenn Gaedt und Schulig letztlich nur eine scheinbar willkürliche Aneinanderreihung ihrer größten Nummern kredenzen, beweisen sie damit eindrucksvoll, dass „Die Kleine Tierschau“ auch nach 35 Jahren nichts an Kreativität eingebüßt hat hat und nach wie vor absolut sehenswert ist.