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Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen (rechts), Intendant Thomas Münstermann (Mitte, im schwarzen Jackett) und Oberbürgermeister Gert Hager (mit blauer Krawatte) begrüßen die Neuzugänge am Pforzheimer Theater mit einer Rose.  Seibel
Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen (rechts), Intendant Thomas Münstermann (Mitte, im schwarzen Jackett) und Oberbürgermeister Gert Hager (mit blauer Krawatte) begrüßen die Neuzugänge am Pforzheimer Theater mit einer Rose. Seibel
06.09.2016

Die neue Saison des Pforzheimer Theaters beginnt

Der Künstlereingang des Pforzheimer Theaters ist am Montag ein Ort der vielen Umarmungen. Wochenlang haben sich die Kollegen nicht gesehen – wie schön ist da ein Wiedersehen. Denn die Theaterferien sind vorbei. Seit gestern wird wieder gearbeitet am Waisenhausplatz.

Urlaub war bitter nötig. Dass die vergangene Saison intensiv war, zieht sich durch jede der Reden, die am Montagmorgen gehalten werden.

Da gab es den Neustart unter Intendant Thomas Münstermann, das neue Ensemble, auch eine neue Energie, hinaus in die Stadt zu gehen. Unerwartet erfolgreiche Produktionen gab es – und den Schock am Ende: Das Theater muss mitsparen mit der Stadt – und das kräftig. So viel Theater, so viele Höhen und Tiefen passen in eine Saison. Jetzt steht die nächste an.

„Wir wollen das Erreichte jetzt stabilisieren“, sagt Münstermann. Zu stabilisieren gibt es zum Glück genug. Denn der Erfolg steht genauso fest wie die Mühe. Zehn Prozent mehr Auslastung im Ballett, elf Prozent mehr beim Musical und fast 140 000 Euro mehr Umsatz im Vergleich zur vergangenen Saison – das ist wohl die beliebteste Zahl an diesem Morgen. Woher kommt das?

Das Theater Pforzheim exportiert unter dem Namen Städteoper Südwest seine Produktion auch in die Städte der Provinz – nach Biberach, Waiblingen oder Singen. Das ist mühsam, wohl auch nicht bei jedem beliebt – aber mittlerweile ziemlich erfolgreich.

29-mal war das Theater unterwegs. Ein stattliches Mehr im Vergleich zu mageren zwölf Abstechern in der Saison davor. Wer aber viel auf Reisen ist, muss es zu Hause etwas sachter angehen. 13 Vorstellungen weniger hat es beim Theater in Pforzheim in der vergangenen Saison gegeben – die sind besser besucht. Die Auslastungsquote liegt mit 73 Prozent aber nur knapp über dem Vorjahr (72). Der Grund?

Der Publikumsmagnet Märchen – diesmal „Geschichten aus 1001 Nacht“ – hat weniger Besucher angelockt. Weil die Termine nicht so günstig waren, heißt es vonseiten der Theaterleitung. Die sieht beim wichtigsten Thema aber positiv in die Zukunft. Uwe Dürigen, der Verwaltungsdirektor des Theaters, glaubt, dass in dieser Saison die Abonnentenzahlen wieder steigen werden. Erstmals seit Jahren. Im Moment sind die noch im Minus. Die Abmeldungen (471) gehen nämlich zum Ende der Saison ein, neue Abonnements (bisher 342) werden aber vor allem auch noch am Anfang der neuen abgeschlossen – dann, wenn es wirklich wieder los geht mit den Vorstellungen. Für sie sind die Künstler aus dem Urlaub zurückgekehrt.

Noch zwei Wochen Zeit bis zur ersten Premiere: „La Bohème“ am Freitag, 16. September. Das ganze Ensemble wird sich da nicht komplett gewandelt haben – größere Umstellungen aber gab es schon. Nicht im Schauspiel. „Da ist das Ensemble stabil geblieben“, sagt Dürigen.

Starker Wechsel im Ballett

Am stärksten die Veränderung im Ballett. Acht Tänzer sind neu – und nur zwei geblieben. Woran liegt das? „Die Tänzer wollen meist sehr viele unterschiedliche Erfahrungen machen“, sagt Münstermann. Sie seien sehr mobil. So richtig an einem Ort, und das über längere Zeit, hält es da wenige.

Zum Glück, sagt Münstermann, sei die Nachbesetzung einfach, weil es eine große Auswahl an Tänzern gibt. An so einem Theater arbeiten aber nicht nur Künstler. Handwerker gibt es auch und FSJler und Techniker. Auch hier werden die neuen Gesichter vom Verwaltungsdirektor auf die Bühne gebeten, sie stehen im Scheinwerferlicht, verbeugen sich – so ein Theater ist eben kein Arbeitsplatz wie jeder andere.

Enthusiasmus ist da nötig – kein bloßer Dienst nach Vorschrift. Das hat auch zu Spannungen geführt in der vergangenen Saison. Da wurde mit Herzblut gearbeitet, auch mit Aufbruchsgeist. Und das hat viel gefordert. „Wir haben es nicht geschafft, dass wir uns an jedem Punkt verstanden haben“, sagt Münstermann wie zur Einschwörung. „Es muss uns gelingen, dass wir noch mehr miteinander arbeiten.“ Und so ist das Ziel der zweiten Saison: Stabilisieren. Vielleicht geht es ja in diesem Jahr auch ein bisschen weniger kräftezehrend.

Selbst dann werden sich die Künstler ihren Urlaub im nächsten Sommer verdient haben – und in einem Jahr wieder voller Vorfreude zurückkehren.