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Sollen bald wieder eine Einheit bilden: die Villen 103 (links), 105 und 107 an der Friedenstraße.
Sollen bald wieder eine Einheit bilden: die Villen 103 (links), 105 und 107 an der Friedenstraße.
18.12.2015

Die schwarze Villa wird wieder weiß

Neuer Eigentümer der Friedenstraße 103 hat mit Renovierung begonnen. Dreier-Ensemble soll künftig wieder in hellen Farben erstrahlen.

Pforzheim. Die schwarze Villa hat sich versteckt. Ringsum verdecken weiße Planen, hohe Gerüste das Haus. Da lugen nur noch das schwarze Dach und mancher Giebel finster hervor. Aber der neue Eindruck ist: Weiß. Kein schwarzer Zahn im reinen Gebiss, kein Ausscheren mehr aus der Reihe der strahlenden Villen an der Friedenstraße. Das Ärgernis ist beseitigt – mag da mancher denken. Der Anfang ist gemacht, bald wird sie wieder weiß sein – und die Geschichte um das seltsame Objekt zwischen Kunst und Kommerz, zwischen Ausstellung und Provokation ist vorbei. Bis dahin ist es aber noch ein gutes Stück Arbeit.

Sarows Spuren sind weg

Unter der Plane nämlich schaut die Villa so dunkel hervor wie seit jenem Tag im August. Da hat der Immobilienhändler Andreas Sarow das frisch gekaufte Objekt in einer Nacht- und Nebelaktion – und das, ohne den Denkmalschutz zu fragen – mit schwarzer übertünchen lassen. Jemand ist aber nun dabei, seine Spuren zu verwischen. Wenig noch erinnert an die Zeit, als sich hier Schaulustige versammelt haben, Autos vorfuhren – und Sarow stetiger Ansprechpartner für die Interessierten war, deren Reaktionen zwischen Befremden und Begeisterung changierten. Weg ist die Plane auf der Garage, mit der Sarow geworben hat. Für was eigentlich? Groß stand da sein Name, klein – wie als Nebensache – der Verweis auf seine Galerie auf der Wilferdinger Höhe. Weg ist das Schild, das die schwarze Villa als Kunst ausgezeichnet hat, das aus einem Haus eine Skulptur gemacht hat. Das haben nur manche geglaubt; viele haben es Marketing genannt. Und es hat funktioniert. Sarow hat – kurz nachdem er die geplante Kunstausstellung in der Villa zu Grabe getragen hat – einen Käufer gefunden. Ziel erreicht. Sarow will ihn nicht nennen, darf es wohl auch nicht. „Das ist Teil der Vereinbarung“, sagt er. Es schmerzt ihn nicht.

Stillschweigen vereinbart

Das Angebot scheint gut gewesen sein; gerade weil Sarow preiswert gekauft hat. Für diesen „Big Deal“ wie er es nennt, könne er gut mit dem Stillschweigen leben, das sich über den neuen Eigentümer ausbreitet. Und auch über das mögliche Bußgeld der Stadt wird der Mantel des Schweigens gedeckt. „Details zu konkreten Ordnungswidrigkeitsverfahren können wir aus Datenschutzgründen grundsätzlich nicht nennen“ lässt der stellvertretende städtische Pressesprecher Philip Mukherjee verlauten. Nur so viel: „Nach dem Landesdenkmalgesetz kann bei Verstößen gegen den Denkmalschutz ein Bußgeld verhängt werden, das sich bis zu 250 000 Euro bewegt, in besonders schweren Fällen sind sogar bis zu 500 000 Euro möglich.“

Was man sagen kann: Der Neue macht Nägel mit Köpfen. Schwarz soll die schwarze Villa nicht mehr sein. Diese Aufgabe hat der Unbekannte in die Hände eines Malers gegeben, der auch sonst kein Unbekannter in Pforzheim ist: Oliver Gimber. Im Internet ist er bekannt für seine ehrlichen Witze. Sie polarisieren. Gefallen vielen, manchem nicht. So wie die Villa es tat. Aber auch Gimber hüllt sich in Schweigen – gerade, wenn es um die Eigentumsverhältnisse des Hauses geht. „Der Eigentümer darf nicht genannt werden“, sagt er. Aber dass er die Malerarbeiten übernommen habe, bestätigt Gimber. „Das Objekt wird im Originalton gestrichen“, sagt er. „Das ist mit dem Landesdenkmalamt so abgesprochen. Und auch der Sandstein werde wieder freigelegt.“

Guter Kontakt zum Eigentümer

Wie der Originalton exakt aussieht, kann der städtische Denkmalpfleger Christoph Timm noch nicht sagen. Was allerdings feststeht: „Die Farbgebung wird an die drei nebenstehenden Gebäude angepasst, so dass wieder eine Einheit entsteht.“ Zwei der drei Villen an der Friedenstraße 103 bis 105, die im neoklassizistischen Stil von den Architekten Karl Faller und Josef Clev entworfen wurden, sind bereits renoviert, haben jeweils eine neue Dachdeckung bekommen. „Das könnte bei der schwarzen Villa ebenfalls anstehen“, vermutet Christoph Timm. Denn ob sich die schwarze Farbe auf den Ziegeln entfernen lässt, hält er für fraglich. Der Denkmalschützer ist jedoch optimistisch: Mit dem neuen Eigentümer gebe es einen guten und intensiven Kontakt. Und die schwarze Villa werde im kommenden Jahr wohl wieder „ein vermietbares Haus“ sein.