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Seinen bekannt feinsinnigen Humor mit Gitarrenklängen bot Dieter Huthmacher seinem Publikum im Kulturhaus Osterfeld.  Molnar
Seinen bekannt feinsinnigen Humor mit Gitarrenklängen bot Dieter Huthmacher seinem Publikum im Kulturhaus Osterfeld. Molnar
12.10.2015

Dieter Huthmacher mit Programm „Lachfalten“ im Kulturhaus Osterfeld

Es gibt Sachen im Alltag, die sind wirklich zum Lachen – oder zum Heulen. Da sieht man sich und hat trotzdem nichts miteinander zu tun. Da kriegt man per SMS einen Laufpass. Und da sagt man über ein Bild nicht mehr einfach nur „schön“, sondern „ästhetisch ansprechend“. Dieter Huthmacher weiß, wovon er spricht und vor allem singt.

In seinem neuen Programm „Lachfalten“ hat der Pforzheimer Liedermacher und Kabarettist viele Modeerscheinungen aufgespießt, die Smartphone-Generation, die Fernsehköche, ja selbst die nervigen Ratgeber und Alltagshilfen für jede Kleinigkeit. „Lach doch, lach doch!“, singt der 68-Jährige voller Elan, fordert sein Publikum bei der Premiere im Kulturhaus Osterfeld gleich heraus. Obwohl er Grund genug gehabt hätte zum Jammern – angesichts einer Erkältung.

Doch der Entertainer mit dem feinen Humor hält durch, bereitet trotz Überlänge einen kurzweiligen Abend mit einem Spaßprogramm aus Liedern in Mundart und Schriftsprache, Gedichten und Kurztexten. Mit viel Ironie und rhythmischer Gitarrenbegleitung stimmt er zum Beispiel das Lied vom „Kronenwirt“ an, bei dem die unmöglichsten Speisen kredenzt werden und das Essengehen mit „Würggefühl“ endet, oder das Lied über die „Kunst“, bei dem all die Nichtkönner ihren Senf zu allem abgeben.

Dass hinter einem erfolgreichen Mann meist eine starke Frau steckt, macht Huthmacher anhand von berühmten Frauen wie Carla Bruni oder Bertha Benz deutlich. „Frauen müssen uns den Rücken stärken, weil wir sonst vom Bauch runtergezogen werden“, bringt er die Zuschauer zum Schmunzeln. Eher zum Heulen ist dagegen das Mobilsein mit dem Smartphone. „Das ist doch heute das Erotischste, was es gibt“, so der Kabarettist. „Trendy mit em Handy“ läuft die Sandy mit dem Kopf nach unten auf einen Laternenpfahl. Doch: „Gott sei Dank, dem Handy ist nix passiert“, singt Huthmacher voller Spott.

Doch wer den Liedermacher kennt, der weiß, dass nicht nur die Schenkelklopfer zum Mitsingen wie „Da semmer dabei!“ den Reiz seiner Programme ausmachen. In „Lachfalten“ schlägt Huthmacher auch viele leise und nachdenkliche Töne an, berührt mit einem wunderschönen Lied über Kinder oder über ältere Leute in „Die alte Pendeluhr“ mit laut aus dem Lautsprecher tönendem Metronom als Herzschlag. Viel über sich verrät er auch bei den besinnlichen Zeilen „Ich sing nur, damit ich nicht schrei, bin leise, damit man mich hört.“ Ein anregender Abend, bei dem besonders über sich selber gelacht werden durfte.