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Ein Koffer in Pforzheim: Die Diplom-Puppenspielerin Myriam Rossbach wird künftig häufiger in der Goldstadt und der Region auftreten. Seibel
Ein Koffer in Pforzheim: Die Diplom-Puppenspielerin Myriam Rossbach wird künftig häufiger in der Goldstadt und der Region auftreten. Seibel
06.11.2018

Diplom-Puppenspielerin Myriam Rossbach ist nach Pforzheim „gekommen, um zu bleiben“

Pforzheim. Der Mechanismus ruckelt ein bisschen, und das bewegliche Bühnenbild, das Myriam Rossbach hinter den Kulissen mit Fußpedalen antreibt, wechselt noch nicht ganz flüssig. Bis zur Premiere am kommenden Samstag bleibt aber noch etwas Zeit, nicht nur für einen reibungslosen Ablauf auf der Bühne, sondern auch, um die letzten Puppen zu vervollständigen. Hier noch eine Hand montieren, da noch mal mit dem Pinsel ran.

Die 28-jährige Diplom-Puppenspielerin hat soeben die letzten Proben aufgenommen für ihr Kinderstück „Hans im Glück“ (Text/Regie: Stephan Siegfried), das sie im Brötzinger Mottenkäfig erstmals zeigen wird. Dass sie davor großen Respekt und auch ein wenig Lampenfieber hat, streitet sie nicht ab.

Hinter der jungen Frau liegen ereignisreiche Jahre. Nach dem Abitur in Bretten hat die Pforzheimerin in Berlin studiert: Puppenspiel an der renommierten Ernst-Busch-Hochschule. Es folgten Engagements in Wien und Koblenz, wo sie die neue Sparte Puppenspiel am Stadttheater erfolgreich selbst mit etablierte.

Dass sie jetzt nach Pforzheim zurückkehrt, hat auch mit dem hier verankerten Künstlerkollegen Raphael Mürle zu tun, der künftig im Rahmen der Nachwuchsförderung enger mit der jungen Künstlerin zusammenarbeiten will. „Hans im Glück“ ist dabei nur der Anfang, ab dem kommenden Sommer wird Myriam Rossbach ihren Lebensmittelpunkt vollständig in die Goldstadt zurückverlegt haben, um sich in den regionalen Kulturbetrieb einzubringen. Eine bewusste Entscheidung für die Stadt an Nagold, Enz und Würm, wo sich für die Puppenspielerin ein Kreis schließt: „Jedes Mal, wenn ich in den letzten Jahren in eine andere Stadt gegangen bin, wusste ich, dass ich dort nicht bleibe. Jetzt komme ich hierher zurück, um zu bleiben!“

Der viel gescholtenen Stadt und viel mehr noch deren Bewohnern stellt sie ein gutes Zeugnis aus: „Für mich ist das so inspirierend hier, die vielen Möglichkeiten. Ich habe das Gefühl, hier ist ein Platz für mich.“ Schon bei früheren Aufenthalten und Auftritten in der Stadt, etwa beim Sommersprossen-Festival oder dem Sommerfest im Kastanienhof, sei sie von den Menschen herzlich aufgenommen und ihre Arbeit vom Publikum wertgeschätzt worden. Und so wird ihr neuer Lebensabschnitt in Pforzheim wohl zu einem kalkulierten Abenteuer werden. Befürchtungen oder gar Existenzängste hat die Künstlerin, die dafür immerhin ihre Festanstellung in Koblenz gekündigt hat, nicht. „Es ist, glaube ich, ganz wichtig, dass man das tut, was man liebt“, sagt die 28-Jährige, die schon einige Erfahrungen im chronisch unterfinanzierten Kunstbetrieb gesammelt hat.

Was sie liebt, ist das Puppenspiel – speziell für Kinder. Zwar hat sie in Koblenz auch regelmäßig Stoff für Erwachsene umgesetzt. Mit dem Grimm’schen Märchen wendet sie sich jetzt jedoch an ein jüngeres Publikum. Die Botschaft hinter „Hans im Glück“, der erst zufrieden ist, als er alle glückverheißenden, aber auch belastenden materiellen Dinge wieder verloren hat, hält sie auch heute für aktuell. Solche Inhalte zu vermitteln, etwa an Kinder, hält sie für wichtig.

Dabei kommt ihr die Phrase der „niedrigschwelligen Kunst“ in den Sinn. Keine elegante Beschreibung, findet sie, aber dennoch trifft dies auch den Kern ihres Anliegens: Kunst und Spiel einer breiten Schicht zugänglich zu machen. Mit Märchenstoff geht es auch weiter, verrät sie jetzt schon. Als Nächstes steht der „Froschkönig“ an, und dieses Stück wird dann nicht nur auf festen Bühnen, sondern auch im freien öffentlichen Raum spielbar sein, etwa bei einem Straßentheaterfestival. Es wird spannend.