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Lavard Skou Larsen beschließ den Reigen der Vordirigate beim Südwestdeutschen Kammerorchester, das einen Nachfolger für Timo Handschuh sucht. Foto: Ketterl

Dirigent Lavard Skou Larsen stelt sich als möglicher Chef am Pult des SWDKO vor

Pforzheim. Ein Frühstart. Die Karriere des Dirigenten und Geigers Lavard Skou Larsen begann schon mit Kindesbeinen. Die Signale seines Lebensweges wiesen von Anfang an auf musikalische Bahnen. Kein Wunder.

Mit einer Geigerin als Mutter und einem Dirigenten als Vater blieb ihm kaum eine Wahl. Im zarten Alter von vier Jahren zog Skou Larsen, der in Brasilien geboren wurde, 1966 nach Österreich um, wo er bis heute lebt. Als Kammermusiker und Dirigent ist er jedoch weltweit unterwegs.

Kein Zweifel, dieser weitläufig erfahrene Musiker, der als Solist wie Dirigent zahlreiche CD-Einspielungen vorzuweisen hat und am Salzburger Mozarteum eine Professur für Geige innehat, ist ein maßgeschneiderter Kandidat für das Südwestdeutsche Kammerorchester in Pforzheim, um dessen künstlerische Leitung er sich bemüht. Sein Konzert aus der Reihe „Faszination Streicherklang“ in der gut besuchten Schloßkirche, mit dem er nun seine Visitenkarte als Bewerber abgab, nennt er selbst eine „musikalische Reise“.

Kontakt zum Publikum wichtig

In eingeschalteten Moderationen führte Skou Larsen durch das einstündige Programm unter dem selbst gewählten Motto „Mit Tanz durchzogen“. Gerne würde er, wie er im Gespräch erklärt, im Falle seiner Berufung diese Tradition fortführen und so den Kontakt mit dem Publikum vertiefen, die Konzerte jeder Spielzeit mit übergeordneten Leitthemen versehen und dabei in der Musik-Auswahl auch Stücke spielen, die zu Unrecht nicht aufgeführt werden: „Mag sein, dass es Komponisten gibt, die sich politisch nach links oder rechts unmöglich gemacht und doch gute Werke geschrieben haben, die gehört zu werden verdienen.“

Die neuen programmatischen Akzente, die er in seiner Arbeit setzen würde, sollen in gebotener Behutsamkeit das Repertoire erweitern und ergänzen. Keineswegs will er dabei krasse Brüche riskieren, versichert er, während mitten im Gespräch der Stuhl unter ihm zusammenkracht. „Zu schwer“, kommentiert er lachend und holt sich einen neuen. Für das aktuelle Konzert konnte das nicht gelten, denn es war in seiner Zusammensetzung gut austariert, mischte Klassik mit gemäßigter Moderne und präsentierte Stücke von schöner Farbigkeit und klug gewählten Kontrasten.

Dabei überzeugte der Auftakt mit Mozarts „Adagio und Fuge in c-Moll“ durch gediegene Auslegung des Werkes. Skou Larsen unterstrich die Gegensätze von energischen Akzenten und filigranen Linien des ersten Teils und stellte dann die straff fugierte Struktur des Stückes wirkungsvoll in den Vordergrund, wobei er anfängliche Nervositäten des Orchesters geschickt ausglich. Schon hier beeindruckte er durch souveräne Übersicht und einen spürbar lebendigen Kontakt zum Ensemble, der die Musiker im Laufe des Abends immer mehr elektrisierte. Das tänzerische Element dominierte die „Antiche Danza ed Arie“ des italienischen Komponisten Ottorino Respighi, mit denen Skou Larsen die mediterrane Stimmung der Toskana beschwor. Namentlich die temperamentvolle „Siciliana“ erfüllte der Dirigent mit ansteckender Vitalität, und die „Passacaglia“ in ihrer Kombination von melancholisch getönter Harmonie und kraftvoll dagegengesetzten Dissonanzen wurde klar herausgearbeitet. Einen baskischen Tanz verwendet Maurice Ravel im „Assez vif“ (ziemlich lebhaft) seines Streichquartetts F-Dur, das Skou Larsen in einer eigenen Bearbeitung für Streichorchester vorstellte. Mit präzise gezupften Pizzicati, mit denen das Orchester eine feurige Note ins sommerliche Flirren der Luft brachte, entwirft die Musik ein pointiertes, impressionistisches Naturbild, dem der Dirigent suggestive farbige Akzente verlieh.

Ein Tango zum Hören

Eine augenzwinkernde Variante zum Tanz-Thema liefert der argentinische Komponist Astor Piazzolla, dessen Leben und Leistung für die Bandoneon-Musik sich Skou Larsen abschließend mit besonderem Engagement zuwandte. Denn die „Melodia in la menor“ ist, wie der Dirigent betonte, ausgerechnet kein Tango zum Tanzen, sondern zum Hören. Auch in der Instrumentierung für Streicher verströmt das Stück in a-Moll die schwermütige Atmosphäre von Piazollas anspruchsvollem „Tango nuevo“. Dagegen schäumt sein „Fuga y Misterio“ vor virtuoser Musikalität, eigenwilligen Effekten und einer gutgelaunten Lebendigkeit, die vom Orchester unter der animierenden Anleitung des Dirigenten zum glänzenden Hörvergnügen gesteigert wurden.

Eine Fuge zum Einstieg und eine zum Ausklang – das ergab einen schön geschlossenen Rahmen des Programms. Skou Larsen fügte als Zugabe das bewegend innige, ruhige „Gebet“ eines brasilianischen Komponisten an, das sich gut in das kirchliche Ambiente des Aufführungsortes einpasste. Das Publikum fand an der glücklichen Zusammenstellung des Abends, den informativen, auch charmanten Erläuterungen des Dirigenten und insbesondere der musikalischen Gestaltung des Konzerts großen Gefallen.