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Mit scharfer Zunge blickte Django Asül im Kulturhaus Osterfeld auf das fast vergangene Jahr zurück.   roller
Mit scharfer Zunge blickte Django Asül im Kulturhaus Osterfeld auf das fast vergangene Jahr zurück. roller
21.12.2015

Django Asül nimmt im Kulturhaus Osterfeld kein Blatt vor den Mund

Pforzheim. Einen Stehtisch und darauf ein volles Glas Weißbier, das im Laufe des Abends immer leerer wird. Mehr braucht Django Asül gar nicht, um seinem Publikum wie ein geladenes Maschinengewehr die gepfefferten Pointen im Sekundentakt um die Ohren zu hauen – natürlich ohne Rücksicht auf Verluste.

Oft an der Grenze

Im Kulturhaus Osterfeld blickt der Niederbayer mit türkischen Wurzeln gewohnt scharfzüngig zurück auf das bald vergangene Jahr und nimmt dabei auch kein noch so kleines Blatt vor den Mund. Sein Humor ist bitterböse, seine Witze sind zynisch bis sarkastisch und oft an der Grenze dessen, was Satire darf. „2015 hat jetzt keine besonderen Vorkommnisse“, stellt er zu Beginn noch trocken fest. Das hindert ihn aber nicht daran, etwa anderthalb Stunden lang scheinbar wahllos-willkürlich ein Thema nach dem anderen aufzugreifen, von dem Chaos am Berliner Flughafen fast nahtlos auf überfüllte Flüchtlingsheime überzuleiten, Zusammenhänge zu konstruieren, die es so gar nicht gibt und mit der Waffe der Ironie die Argumentation so mancher Politiker geschickt als Phrasendrescherei zu entlarven. Man muss das nicht immer verstehen. Die besten Pointen lauern oft in Nebensätzen, verstecken sich und brauchen Zeit, bis sie ihre volle Wirkung entfalten.

Kaum einen Politiker gibt es, der sein Fett nicht wegbekommt. Erdogan wird da schon mal als „Playmobilsultan“ deklariert, die Verteidigungsministerin zur „Granaten-Uschi“ erklärt und Andrea Nahles zur „fleischgewordenen Sonnenfinsternis“. Besonders gerne macht er sich aber über die Kanzlerin und ihr Verhältnis zum bayerischen Ministerpräsidenten lustig. „Neben Merkel und Seehofer wirken selbst Obama und Putin wie Marianne und Michael“, konstatiert Django Asül, der sowieso der Meinung ist, Merkel habe in der Flüchtlingskrise nur eine beliebte Spielshow der 70er-Jahre wiederbeleben wollen: „Spiel ohne Grenzen“. Ihr Satz „Wir schaffen das“ gehe zwar in die Geschichte ein, stehe dann aber auf einer Stufe mit „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“.

Zu allem eine Meinung

Überhaupt gibt es wenig, zu dem Django Asül keine Meinung hat. Falls der DFB-Skandal jemals verfilmt werden sollte, hätte er auch den passenden Titel parat: „Zwanziger ist ein falscher Fuffziger“. Apropos Film: Seit „Fifty Shades of Grey“, da ist Django Asül sich sicher, hätten Baumärkte ihr Geschäftsmodell rigoros geändert. „Wenn ein Mann eine Frau unterwerfen will, braucht er jetzt allerhand Zeugs aus dem Baumarkt“, sagt er, während bei Frauen nach wie vor ein einziger Satz reiche: „Hock Dich gefälligst beim Pinkeln hin.“ Das Publikum dankt mit stürmischem Beifall.