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Männer in Rüstungen - auch mal nur zum Testen. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Kinder und Hunde lieben das Lagerleben. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Kämpfe zur Übung im Lager. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Ringen für die Ehre. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Hier wird fast authentisch Gericht gehalten. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Besucher im Mittelalter-Gewand. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Die Schäfergruppe. Foto: Zoller © Sabine Zoller
Marionettenspieler Foto: Zoller © Sabine Zoller
28.08.2014

Dobler Spectaculum: Köche, Kämpfe, Kunsthandwerk

Ritter, Pferde, Rüstungen und stattliche Gewänder gehören zu einem traditionellen mittelalterlichen Markt. Außergewöhnlich ist beim Dobler Spectaculum nicht nur die große Anzahl von Spielleuten, Marketendern und Gauklern, sondern auch Anwesenheit von Handwerkern und Liebhabern mittelalterlicher Bräuche.

Bildergalerie: Dobler Specatculum

Über 500 Personen bevölkerten beim dritten Dobler Sectaculum das Hochplateau des Nordschwarzwalds um „die authentische Atmosphäre ohne Motorenlärm und Straßenbeleuchtung“, die Lagerfeuer und die Geselligkeit vor Ort zu genießen. Erstmals dabei waren die Schäfer aus Bretten und die Reichsritter aus Pfronten, selbst Ritter aus München hat es mit Ross und Reiter auf den Dobel geführt, „weil die Stimmung so phantastisch ist.“ Für Besucher war das wiederum ein Anreiz, um mehr über Handwerk, Sitten und Gebräuche unserer Vorfahren zu erfahren.

Auf dem Dobel ist alles authentisch. Die Gewänder sind nach alten Vorlagen selbst geschneidert. Übernachtet wird in eigenen Zelten und gekocht wird auf der Feuerstelle. Das Zauberwort heißt für alle Teilnehmer Entschleunigung, um ein Wochenende, das in diesem Fall mal wieder mit allen Wetterkapriolen zugeschlagen hat, zu genießen. Schlechtes Wetter macht dem Spektakel keinen Abbruch – erhöht sogar den Reiz und macht erfinderisch. Die Odenwälder Marketender haben ihr Zelt mit einem massiven Holzbett ausgestattet, Teppichböden liegen am Boden so dass es auch nächtens richtig gemütlich ist.

Das Lagerfeuer dient als Kochstelle und selbstverständlich werden Gerichte nach alten Rezepturen mit Kräutern aus der Region gekocht. Sein Rezept für „Hühnchen an der Kette“ erklärt Robin von Reutlingen gerne den Marktbesuchern, denn er hat sich speziell mit den Raffinessen der mittelalterlichen Küche beschäftigt. Das „Grombacher Burgvolk“ wird von Küchenchefin Alexandra mit Kürbisgemüse und Pfannenbrot versorgt, während die „Ispringer“ feines Gulasch und selbstgemachte Spätzle mit Beerenweinen genießen. Für die rund 5.000 Besucher waren Köstlichkeiten wie Sarazenerfleisch, Flammkuchen oder Stockfisch geboten.

Handwerkliche Kniffe zeigen nur wenige Meter entfernt die Bruderschaft der freien Zünfte zu Bretten. „Früher waren Stoffe aus Baumwolle aber für die meisten Menschen zu teuer. Deshalb machte man sehr viele Stoffe aus den Fasern einer Pflanze, die in unserer Heimat gut gedeiht. Diese Pflanze heißt Flachs...“ Viele lassen sich den spannenden Werdegang vom Flachs zum Leinen erklären und sind zudem neugierig darauf, wie kunstvoll gearbeitete Brettchenmuster aus fein versponnener Schafwolle bei den „Ourewäller“ gefertigt werden.

Für Besucher ist das bunte Markttreiben kurzweilig und spannend zugleich. Gaukler, Spielleute und Jongleure zeigen ihr Können. Die Märchenerzählerin Susanna, und Puppenspieler Viator Inter Mundos begeistern ebenso wie die Spielleut Fortunatus. Ein umfassendes Programm präsentiert attraktive Ritterkämpfe von Brachmanoth, den Bickesheimer Spiegelfechtern und den Plattenwaldbarbaren mit gewaltigen Schwertkämpfen und dramatisch klingender Musik. Für die kleinen und großen Marktbesucher gibt vielerlei zu kaufen, Unterricht im Bogen schießen und ab und zu sogar die Chance in eine Rüstung zu schlüpfen.

Zu einem richtigen Lagerleben gehören auch Tiere – und so sind neben Hunden auch Pferde präsent. Die „Draconarii“ Reiter aus München haben den logistischen Aufwand nicht gescheut und sind mit vier Pferden angereist. Mit Freunden aus Straubenhardt wird die Landschaft im Nordschwarzwald erkundet und zudem Details über ritterliche Reitarten ausgetauscht. „Unsere Pferde haben sich hier trotz Gewitter sehr wohl gefühlt“, so Rolf Häuber, zweiter Vorsitzender des Vereins.

Musik und Unterhaltung bietet die Brettener Schäfergruppe, die zum Tanz aufspielt. Die bunt gekleideten Männer und Frauen präsentieren barfuß Formationstänze wie „Tampet“, „Geestländer“ und „Schofseggel“, die unter lautem Händegeklapper und Hurra-Rufen die Besucher begeistern. Für eine spektakuläre Feuerschau am Abend sorgte der Druide „Igor der Weisse“ mit seinem Team. Feuerschwerter und atemberaubende Feuerkugeln wurden jongliert, dass herrliche Bilder am dunklen Himmel entstanden.

Die exponierte Lage auf dem Hochplateau des Nordschwarzwalds, die gute Erreichbarkeit und nicht zuletzt das umfassende Angebot an kulinarischen und kulturellen Höhepunkten machen den Erfolg der Veranstaltung aus, die sich dank des Engagements der Bruchsaler Ritterschaft und Bürgermeister Wolfgang Krieg mittlerweile als eine der größten in der Region etabliert hat.