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„Die Tochter des Botschafters“ von Franz Xaver Winterhalter. Fotos: smp
„Die Tochter des Botschafters“ von Franz Xaver Winterhalter. Fotos: smp
„Lady Alice More“ aus der Werkstatt von Hans Holbein dem Jüngeren.
„Lady Alice More“ aus der Werkstatt von Hans Holbein dem Jüngeren.
19.05.2017

Doppelausstellung „Must-haves“/„Must-sees“ im Schmuckmuseum

Pforzheim. Warum ist Schmuck so faszinierend? Weil er wertvoll ist? Sicherlich. Wohl aber auch aus einem anderen Grund; das zeigt ab Sonntag die große Doppelschau „Must-haves“/ „Must-sees“ im Schmuckmuseum. Direkt zwei Ausstellungen sind der Beitrag des Museums zum Schmuckjubiläum. Beim ersten Teil – den „Must-Sees – Schmuck in der Kunst“ („Muss man sehen“) – gibt es eine Premiere. Erstmals stehen Gemälde im Zentrum einer Schau des Museums – sie beantworten die Frage, warum wir Schmuck so anziehend finden: Er unterstreicht die Persönlichkeit eines Menschen – und zeigt sie nach außen. Wer Schmuck trägt, drückt sich aus damit.

Das zeigt sich zum Beispiel im Porträt der Lady Alice More aus der Werkstatt von Hans Holbein dem Jüngeren. Eine Dame mittleren Alters sitzt da mit gesenktem, gravitätischen Blick. Ihre Hände blättern in einem Buch, sind ringbesteckt. Interessanter aber ist der Schmuck auf ihrer Brust – er drückt aus, was diese Frau ist. Alice More ist nicht irgendjemand. Sie ist die Frau von Thomas Morus. Der ist im 16. Jahrhundert ein berühmter Humanist – und wird für seinen katholischen Glauben vom englischen König Heinrich VIII. hingerichtet. All das spiegelt sich wider im Schmuck der Lady Alice. Der Porträtkopf auf ihrer Brust weist auf humanistische Antikenbegeisterung – und das Kreuz direkt darunter steht für den Glauben. Auch die anderen Gemälde der Ausstellung zeigen interessante Blicke ins Innenleben der Figuren und präsentieren eine ganz besondere Sammlung. Denn bei der Ausstellungsgestaltung hat sich das Schmuckmuseum mit dem estnischen Kunstmuseum Tallinn zusammengetan – und zeigt Werke, die selten den Weg nach Deutschland finden. Franz Xaver Winterhalters „Die Tochter des Botschafters“ zum Beispiel. Dargestellt ist wohl die die junge Carolina Johanna von Stackelberg, deren Schmuck-Monogramm die Loyalität zum russischen Zarenhaus ausdrückt – und während der kommunistischen Herrschaft in Estland einfach übermalt wurde. In Pforzheim zeigt sich das Werk restauriert, das Monogramm strahlt in neuem Glanz – und nicht nur in den Gemälden. Denn den Bildern Schmucktragender sind korrespondierende Schmuckstücke hinzugegeben. Sie zeigen, wie das wohl in echt ausgesehen hat, was die Dargestellten da tragen.

Der Schmuck selbst steht auch im Zentrum des zweiten Teils der Doppelausstellung. Unter dem Titel „Must-haves – Schmuck großer Juweliere“ („Muss man haben“) zeigt das Schmuckmuseum Stücke von bombastischer Pracht. In den Vitrinen blinkt und strahlt es. Es sind verschwenderische, überladene Stücke der ganz großen Namen: Tiffany, Boucheron, Chopard und noch viele weitere Schmuckhäuser. „Wir wollten Werke zeigen, die man einfach haben will“, sagt Cornelie Holzach, die Leiterin des Schmuckmuseums. So wertvoll und pompös zeigt da die Schmuckkunst, was sie kann. „Viele dieser Stücke kann man als Normalbürger eigentlich nicht sehen – und da zähle ich mich durchaus dazu“, sagt Holzach.

Von Chopard stammt ein blinkendes Collier, das sich wie ein Vogel um den Hals windet – und aus Weißgold, Diamanten, Tsavoriten, Saphiren und Amethysten zusammengesetzt ist. Von Cartier ist eine Brosche zu sehen. Ein kleiner Vogel ist auf einer kleinen Hand gelandet, die ihrerseits noch mit Ring und Armband geschmückt ist. Eine weitere Brosche lehrt das Fürchten. Handgroß hat der Münchner Juwelier Hemmerle aus einer Conchperle, Saphiren, Diamenten und Gold eine garstige Spinne modelliert – beinahe lebensecht. Wer es wagt, lässt die goldenen Beine dann von der Schulter fallen. Aber dazu braucht es dann wohl eine besondere Persönlichkeit.