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In der Klosterkirche Maulbronn spielten der Kammerchor Maulbronn und die Hannoversche Hofkapelle unter der Leitung von Benjamin Hartmann. Foto: Fotomoment

Doppeljubiläum von Klosterkonzerten und Kammerchor in Maulbronn beendet

Maulbronn. Am Ende einer erfolgreichen Jubiläumssaison stand bei den Klosterkonzerten in Maulbronn der Lobgesang. Nach vielen schönen Konzerten und einem großen Festwochenende zum 50-jährigen Bestehen des Festivals galt das im übertragenen Sinn und ganz konkret in Gestalt der Aufführung der mehr als einstündigen Sinfonie in B-Dur op. 52 von Felix Mendelssohn Bartholdy, die diesen Beinamen wegen ihres Finales mit Solisten und Chor und der Vertonung von die Psalmtexten trägt.

„Lobgesang“ firmiert als Nr. 2 der fünf großen Sinfonien Mendelssohns, ist aber chronologisch betrachtet seine letzte. Nach drei normalen Instrumentalsätzen steht an Stelle des Finales eine Kantate: „Alles was Odem hat, lobet den Herrn“ in der Hauptsache nach Psalm 150, aber auch nach anderen Stellen aus der Schrift. Das für ein Leipziger Gutenberg-Jubiläum 1840 komponierte Werk wird eher sporadisch gespielt, dann aber meist mit einem recht großen Chor- und Orchesterapparat. Da setzte das Konzert in der voll besetzten Maulbronner Klosterkirche nun einen anderen und spannenden Akzent.

Der vor 35 Jahren gegründete Maulbronner Kammerchor sang in seiner üblichen Besetzung wie bei Bach und Händel oder den A-Capella-Konzerten, den Orchesterpart übernahm die in Maulbronn bekannte und geschätze Hannoversche Hofkapelle in Kammerorchesterstärke.

Auf historischen Instrumenten

Aufführungen der Musik Mendelssohns in historisch informierter Praxis und auf alten Instrumenten sind noch immer die Ausnahme, bringen aber doch meist einen neuen und tiefer gehenden Blick auf diese Musik. Das war auch in Maulbronn so. Mendelssohns Chormusik basiert auf seiner intensiven Kenntnis und Rezeption der barocken Werke Bachs und Händels – und wenn diese mit analoger Transparenz und Beredsamkeit musiziert wird, entfaltet sie ihre Kunst viel intensiver als bei einem vorwiegend auf Klangfülle ausgerichteten Stil.

Benjamin Hartmann am Pult hatte seinen Kammerchor sehr differenziert vorbereitet und zu glasklarem Singen angeleitet. Das gab den polyphonen Partien eine durchsichtige Gestalt und sorgte für ein wahrlich kammermusikalisches Dialogisieren der Stimmen.

Das geschärfte Profil löste gesteigerte Spannung und Vielfarbigkeit aus. Das zeigte sich auch am facettenreich aufgefächerten Orchesterpart mit der virtuos spielenden Hannoverschen Hofkapelle mit Konzertmeisterin Anne Röhrig. Vor allem das Verhältnis von Streicher- und Holzbläserstimmen war optimal – und das lineare Spiel der Streicher fast ohne Vibrato erhellte hier die Struktur.

All diese Tugenden nutzte Benjamin Hartmann für eine formbewusste, im Gestus geschmeidig und im Rhythmus impulsiv angelegte Wiedergabe, die auch in den drei Instrumentalsätzen durch ihre zwingende Kontur gefiel. Ausdrucksvoll gelang der Übergang von der Nacht zum Licht im sechsten Teil des Finales. Die gleichen Qualitäten hatte zuvor die Wiedergabe des 95. Psalms op. 46.

Ganz ausgezeichnet waren die drei Solisten, allen voran der Leipziger Patrick Grahl. Der junge Sänger ist ein lyrischer Tenor von bestechender Schönheit der Stimme und mit einer faszinierenden Deutlichkeit der Diktion. Mit prachtvollem Sopran und dabei immer hochkultiviert in der Linienführung sang Olena Tokar. Mit weichem Timbre und ebenmäßiger Phrasierung gefiel Marie Henriette Reinhold.