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Drehbuch-Autor Ahmed Dramé hat selbst im Film mitgespielt – und stellt sich in Pforzheim den Fragen des Publikums. Dorothee Pfistner übersetzt.  Frommer
Drehbuch-Autor Ahmed Dramé hat selbst im Film mitgespielt – und stellt sich in Pforzheim den Fragen des Publikums. Dorothee Pfistner übersetzt. Frommer
04.11.2015

Drehbuch-Autor Ahmed Dramé gibt in Pforzheim filmische Einblicke in die Vorstadtwelt

Pforzheim. Vorpremiere im Kommunalen Kino: Im französischen Original heißt der am Montag präsentierte Film „Les Héritiers“ („Die Erben“) – und das ist weit griffiger als der deutsche Titel: „Die Schüler der Madame Anne“.

Natürlich ist die mutige Lehrerin Anne Gueguen – hinreißend gespielt von der zauberhaften Ariane Ascaride (61) – Mittelpunkt des Spielfilms von Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar, die dem deutschen Kinopublikum zuvor durch Produktionen wie „Willkommen in der Bretagne“ (2012) oder „Meine erste Liebe“ (2011) bekannt wurde. Was die zierliche Lehrerin in der aufsässigen Klasse „11-1“ des Léon-Blum-Gymnasiums im Pariser Vorort Créteil erreicht, ist beeindruckend: Madame Anne gelingt es, aus Einzelgängern und Problem-Kids ein Kollektiv zu bilden. Der zur Schau getragenen Langeweile, der Wut und Rebellion ihrer 14- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler begegnet sie mit Argumenten, Beharrlichkeit, Humor. Dennoch ist „Die Schüler der Madame Anne“ kein „Pädagogen-Denkmal“, sondern ein Film, der den Blick freigibt auf die in den Pariser Banlieues vergessene Schar junger Menschen, die alleine ihre Unterschiede gemeinsam zu haben scheinen.

Gast der Vorpremiere im Kommunalen Kino Pforzheim war der männliche Hauptdarsteller und Drehbuch-Autor Ahmed Dramé (20). Im Film spielt er Malik – und damit sich selbst. Auf Fragen der Zuschauer antwortet er, übersetzt von Dorothee Pfistner (Neue Visionen Filmverleih), 95 Prozent seiner Geschichte entsprächen der Realität am Léon-Blum-Gymnasium, der Film sei nach einem Casting je zur Hälfte mit Laien und mit professionellen Schauspielern besetzt worden. Er habe sich bei der Auswahl der Laiendarsteller viel Zeit gelassen, sagte Dramé. „Sie mussten mich auch menschlich überzeugen. Ich wollte auf keinen Fall jemanden beschenken, der es gar nicht verdient hatte“.