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Mit romantischer Musik startet das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Leitung seines Konzertmeisters und Solisten des Abends, Michael Ewers (stehend), in der Matthäuskirche im Arlinger ins neue Jahr. Foto: Ketterl
Mit romantischer Musik startet das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Leitung seines Konzertmeisters und Solisten des Abends, Michael Ewers (stehend), in der Matthäuskirche im Arlinger ins neue Jahr. Foto: Ketterl
09.01.2017

Dreikönigskonzert des SWDKO mit Solist Michael Ewers

Pforzheim. Mit so vielen Besuchern haben die Veranstalter des traditionellen Dreikönigskonzertes des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim (SWDKO) wohl nicht gerechnet. Trotz Kälte und Glätte ist die Matthäuskirche im Arlinger bis hinten gefüllt, die Programme reichen nicht für alle.

Umso erwärmender ist die romantische Musik, mit der das Orchester unter Leitung seines Konzertmeisters und Solisten des Abends, Michael Ewers, ins neue Jahr startet – und sich sogleich bei der evangelischen Matthäusgemeinde für die langjährige Gastfreundschaft und Möglichkeit bedankt, die Kirche mit ihrer hervorragenden Akustik immer wieder für CD-Aufnahmen nutzen zu können.

Süße und Sehnsucht

Im Zentrum des Konzertes stehen einige Solowerke für Violine und Streicher, bei der Ewers mit großer Virtuosität, Leichtigkeit und Ausdruckskraft begeistert. Besonders das farbenreiche, sowohl schwungvolle als auch träumerische Valse-Scherzo op. 34 für Violine und Streicher von Tschaikowsky bringt der Solist expressiv und elegant zur Geltung. Es erklingt direkt nach der wunderschönen Melodie op. 42 Nr. 3 aus der Feder des gleichen Komponisten, die Violinist und Orchester mit ihrer ganzen Süße und Sehnsucht versehen.

Wie Tschaikowskys Scherzo ist auch Saint-Saëns‘ Introduction et Rondo Capriccioso op. 28, das 1863 für den Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate geschrieben wurde, mit vielen Doppelgriffen und anderen Kunstgriffen ausgestattet.

Nach einem sachten Antasten in der Einleitung geht Ewers zielstrebig den von spanischem Kolorit geprägten Rondo-Teil an, bewegt sich mühelos durch Arpeggien und chromatische Skalen, lässt seine Finger mit furioser Schnelligkeit über das Griffbrett gleiten, während das Orchester mit schlagendem Bogen den Rhythmus markiert.

Dieses wird wie nebenbei von ihm mit einem Kopfnicken oder Körperzeichen geleitet. Umrahmt werden die drei Stücke mit Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 10 h-Moll – weich und etwas düster das Adagio, mit Feuereifer, schönen Bratschenakzenten und messerscharfer Rasanz das Allegro – sowie Griegs fünfsätziger Suite op. 40 „Aus Holbergs Zeit“.

Alte Tanzformen der französischen Suite aus der Bach-Händel-Holberg-Zeit werden hier stilisiert und geschickt mit Griegs folkloristischer Tonsprache verbunden. Die höfische Eleganz der Gavotte mit seinem eingängigen Thema ist noch am ehesten von barocken Mustern geprägt, tief melancholisch dagegen das Air und mitreißend schnell der Kopf- und Schlusssatz.

Mit einem kurzen, lieblich-feinen Satz aus einer Suite von Leoš Janáček verabschiedet und bedankt sich das SWDKO für den Beifall.