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Mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche wird am Neumarkt an das historische Stadtbild zumindest in den Fassaden der Gebäude erinnert – rechts das „Hotel de Saxe“, das schon im 18. Jahrhundert eine noble Adresse war. Bevor weitere Häuserzeilen hinzukommen, dokumentieren Archäologen die Bausubstanz vergangener Jahrhunderte.  Frei (2), renderwerke (Visualisierung)
Mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche wird am Neumarkt an das historische Stadtbild zumindest in den Fassaden der Gebäude erinnert – rechts das „Hotel de Saxe“, das schon im 18. Jahrhundert eine noble Adresse war. Bevor weitere Häuserzeilen hinzukommen, dokumentieren Archäologen die Bausubstanz vergangener Jahrhunderte. Frei (2), renderwerke (Visualisierung)
14.12.2016

Dresden im neuen Glanz seines prunkvollen Erbes

Auch wenn Dresden und das Elbtal durch den Bau einer relativ schlichten Brücke über den Fluss und den dadurch – so die Meinung der Juroren – „verschandelten Anblick“ auf die Stadt den Status als Unesco-Weltkulturerbe verlor, kann die Hauptstadt des Freistaats Sachsen mit einem Reichtum an kulturellen Einrichtungen fast im Überfluss glänzen.

Daher ist es für Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) keine Frage: „Wir bewerben uns für das Jahr 2025 als Kulturhauptstadt Europas – wenn Deutschland dann wieder zum Zug kommt.“

Dresden ist stolz auf sein kulturelles Erbe, das ihm die sächsischen Herrscher, allen voran August der Starke (1670–1733), mit prunkvollen Gebäuden bescherten. Eine Zäsur brachten der Zweite Weltkrieg und die alliierten Fliegerangriffe, die vom 13. bis 15. Februar 1945 – zehn Tage vor den verheerenden Bombenabwürfen auf Pforzheim – einen Großteil der Stadt in Schutt und Asche legten. Doch Dresden baut seine historischen Stätten im Gegensatz zur Goldstadt wieder auf.

Mit der Einweihung der Frauenkirche wurde im Oktober 2005 auch ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Und gleichzeitig der Startschuss gegeben zur Rekonstruktion des umgebenden Neumarkts,, dessen Bauten wieder mit ihren historischen Fassaden entstehen.

Doch nicht nur am Neumarkt wird gebaut: Nach der Sanierung und dem Umbau des 1969 eröffneten Kulturpalasts wird im nächsten Jahr die Dresdner Philharmonie dort ebenso eine neue Heimat finden wie das Kabarett „Herkuleskeule“ und die Stadtbibliothek. Rund 100 Millionen Euro fließen in den Betonklotz, der eigentlich abgerissen werden sollte, wogegen sich jedoch die Bürger der 500 000-Einwohner-Stadt aussprachen.

Rund 120 Millionen Euro sind in das „Kraftwerk Mitte“ investiert worden, um auf dem 40 000 Quadratmeter großen Areal der denkmalgeschützten Gasanstalt von 1839 ein neues Kulturzentrum am Rande der City zu schaffen. Das Dresdner Energiemuseum „KraftWerk“ (seit 2002), der Musik-Club „Kraftwerk Mitte“ (seit 2010) und die Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ (seit 2014) zählen zu den bisherigen Mietern. Im Sommer bezog das Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden (6000 Musikschüler) seine neuen Räume, die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen ist seit Anfang September vor Ort. Jetzt freuen sich Staatsoperette Dresden und das „theater junge generation“ auf großzügige moderne Spielstätten im historischen Ambiente – am Freitag ist Eröffnung. Zudem finden Unternehmen, Agenturen und Freischaffende der Dresdner Kreativszene im Frühjahr im „Creative Business Center neonworx“ einen Arbeitsplatz.

Verzicht auf mehr Gehalt

Wenn sich nach der offiziellen Eröffnungsgala in der Staatsoperette erstmals der Vorhang zu Jacques Offenbach „Orpheus in der Unterwelt“ für die 750 Premierengäste hebt, werden nicht nur Intendant Wolfgang Schaller und der musikalische Leiter Andreas Schüller aufatmen. Jahrzehnte spielte das Ensemble in einem Provisorium. Rund 13 Millionen Euro hat es zum Neubau beigesteuert – seit 2001 wurde auf Gehaltserhöhungen verzichtet. „Darauf können wir nur stolz sein“, betont Oberbürgermeister Dirk Hilbert.