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Grandios und überaus lebhaft: der Dresdner Violinvirtuose Florian Mayer bei seinem außergewöhnlichen Konzert in Birkenfeld. Foto: Molnar
Grandios und überaus lebhaft: der Dresdner Violinvirtuose Florian Mayer bei seinem außergewöhnlichen Konzert in Birkenfeld. Foto: Molnar
24.10.2016

Dresdner Geigenvirtuose spielt in Birkenfeld

Birkenfeld. Er jagt Fliegen, kämpft mit Stieren und lässt beim Spielen auch ein paar Federn – und zwar buchstäblich.

Was Florian Mayer bei „Musik aus Dresden“ in der Tanzschule Löwen Birkenfeld veranstaltet, ist ausgefallen, verwegen, fast eine kleine Sensation. Der Dresdner Geigenvirtuose hat sich Niccolò Paganinis 24 Capricen op. 1 für Violine solo zu eigen gemacht – so sehr, dass er einige davon nicht nur spielt, sondern mit unterhaltsamen Anekdoten und vollem Körpereinsatz lebt.

Florian Mayer ist ein unruhiger Geist, bewegt sich permanent im Raum. Schon der Auftritt mit dem furios schnellen „Perpetuum Mobile“ bahnt sich von hinten an. Er setzt sich zwischen die Zuschauer, springt sofort wieder auf – und schafft wie nebenbei die waghalsigsten Griffe, Glissandi und Triller. Eine Meisterleistung, ist doch bekannt, dass Paganinis Charakterstücke mit zu den schwierig-sten Kompositionen für Geige gehören. Dass sich Mayer mit dem legendären „Teufelsgeiger“ identifiziert – im Sinne eines ständigen Kampfs um Perfektion – zeigt sich schon im Titel des Soloprogramms „Mein Paganini – Teufelstanz, Teufelstriller, Teufelsgelächter“.

Mit der Fliegenpatsche zugange

Obendrein hat der Musiker den Capricen eigene Namen verpasst – „Der Fliegenfänger“ etwa. „Paganini wurde wegen seiner Tiergeräusche eines Konzertes verwiesen“, erzählt er, nimmt die Fliegenpatsche und verfolgt den Summton, den er selber erzeugt. Ergreifend auch, wie er die Entwicklung des jungen Paganini zum „Teufelsgeiger“ darstellt: Mit Maske, an der kleine Glöckchen narrenhaft mitschellen, tastet er sich langsam heran, lacht mitten im Spiel plötzlich heimtückisch auf. Dazu passt auch die selbst verfasste „Fibel des Größenwahns“, die Mayer mit Herzblut vorliest – um danach eine Caprice unter dem Namen „Napoleons Einmarsch“ zu präsentieren: Mit schlagendem Bogen deutet er ein Trommeln an, bald beginnt er, zu stampfen, zu schnalzen und zu stöhnen.

Bei „Corrida“ packt er das Thema Stierkampf bei den Hörnern, kämpft mit der Violine auf virtuoseste Art. Die Krönung sind aber die improvisierten Variationen der 24. Caprice, bei der die Zuschauer sieben Länder zurufen: Mal klingt das Thema typisch russisch, mal japanisch, mal nach irischem Folk. Am Ende stampfen die Zuschauer vor Begeisterung – wie auch bei der Bundespreisträgerin Nathalie Trautmann (14), die im Vorkonzert mit zwei Geigenstücken beeindruckte.