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Lachen und Staunen mit Rebecca Carrington und Colin Brown. Foto: Roller
Lachen und Staunen mit Rebecca Carrington und Colin Brown. Foto: Roller
28.03.2017

Duo „Carrington-Brown“ im Osterfeld: Vom „Blasesack“ und vier Akkorden

Pforzheim.Einen älteren Besucher hat es im Kulturhaus Osterfeld wohl noch nie gegeben. Zumindest keinen, von dem man weiß. Denn „Joe“ ist schon über 230 Jahre alt. Nun ist „Joe“ aber kein Mensch und auch kein Tier, sondern das Cello von Rebecca Carrington. Sie besitzt es seit ihrer Jugend und wenn sie auftritt, dann ist es immer dabei. Genauso wie ihr Ehemann Colin Brown. Seit zehn Jahren leben sie gemeinsam in Deutschland, stehen zusammen als „Carrington-Brown“ auf der Bühne und bringen ihr Publikum mit einer intelligenten Mischung aus brillant interpretierter Musik und schrill-schrägem Kabarett nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Staunen.

Als sie im Osterfeld auf der Bühne stehen, merkt man schnell, dass man es hier mit zwei einzigartigen Künstlern zu tun hat. Nicht nur, weil sie deutlich hörbar aus England kommen und nach zehn Jahren immer noch zusammen sind – bei offensichtlich bester Stimmung. Sondern auch, weil sie es schaffen, die Grenzen zwischen Musik und Kabarett verschwimmen zu lassen. Während ihres knapp zweistündigen Auftritts erzählt Rebecca, wie ihre Oma ihr einst „Joe“ geschenkt hat, und Colin findet den Mut, ihr zu gestehen, dass sie nicht seine erste Liebe war. Die war nämlich der „Blasesack“, die Bagpipe. Als Kind war er mit diesem Instrument nicht sehr beliebt. Aber die Deutschen lieben seinen „Blasesack“: „Danke, Deutschland.“

Deshalb spielt er darauf ein Medley, unter anderem mit der Nationalhymne, dem „Griechischen Wein“ und „Atemlos“. Stilecht im schwarz-rot-goldenen Kilt, versteht sich. Kein Wunder, dass das Publikum da gerne mitklatscht. Das tut es auch bei dem selbstkomponierten Dancehit. Apropos: Wie komponiert man eigentlich einen Dancehit? Ganz einfach: mit vier Akkorden, Bass, etwas Rhythmus und einem einfachen Text. „Fertig ist der Hit.“ Stimmt. Aber damit ist die Kreativität des Duos noch lange nicht ausgeschöpft. Mit ihren Stimmen imitieren die beiden Bassgitarren und Trompeten. Weil ihnen Opern zu lange dauern, präsentieren sie einen Schnelldurchlauf im Schweinsgalopp.

Rebecca entlockt ihrem Cello „Joe“ afrikanische Klänge, trommelt darauf herum und schlägt es an, als ob es eine Gitarre wäre. Um Kleinkunst zu machen, muss man eben kreativ sein. Dabei gibt es so etwas wie Kleinkunst in England gar nicht. Überhaupt fallen ihnen immer wieder Dinge auf, die es so nur in Deutschland gibt. Etwa die Fußgängerzonen, die fast überall gleich aussehen. In den Läden packen die Leute ihre Einkäufe selbst in die Tasche, stehen in Schlangen ganz nah beieinander, und überall kann man Punkte sammeln. Grund genug, um dem Shopping in Deutschland ein Lied zu widmen. Aber damit nicht genug: Weil ihm die komplizierte Grammatik zu schaffen macht, setzt Colin zum „Der-die-das-Lied“ an und erklärt: „Wenn Du die Pronomen kannst, dann gibt es einen Freudentanz.“

Ganz so weit geht das begeisterte Publikum am Ende zwar nicht, aber tosender Applaus ist den beiden sicher.