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Pforzheim kennen die beiden Musiker Daniel Benjamin und Eleni Zafiriadou gut. Sie haben einige Zeit in Niefern gewohnt.  Roller
Pforzheim kennen die beiden Musiker Daniel Benjamin und Eleni Zafiriadou gut. Sie haben einige Zeit in Niefern gewohnt. Roller
20.09.2016

Durch die Nacht mit Musikerduo „Sea and Air“

Irgendwie futuristisch und gleichzeitig trashig“, meint Daniel Benjamin und schaut zu seiner Partnerin Eleni Zafiriadou. „Wie eine Mischung aus einem Raumschiff und einem American Diner“, ergänzt sie. Die beiden meinen den neuen Busbahnhof in Pforzheim.

Ihnen gefällt die moderne Architektur. Wenn man einmal daran vorbeifahre, sagen sie, erinnere man sich immer wieder daran. Und die beiden wissen, wovon sie reden. Beruflich sind sie nämlich nicht nur öfter auf Busbahnhöfen unterwegs, sondern haben auch schon viele europäische Metropolen besucht.

Daniel Benjamin und Eleni Zafiriadou sind Künstler. Sie nennen sich „Sea and Air“, sind seit 2011 ein Duo, machen aber schon seit rund 17 Jahren zusammen Musik. Obwohl die beiden irgendwo auf dem Land zwischen Stuttgart und Tübingen leben, haben sie einen engen Bezug zu Pforzheim. Was auch daran liegen könnte, dass sie eine Zeit lang gar nicht weit weg gewohnt haben. Nämlich in Niefern. „Unser erstes Date hatten wir auf dem Friedhof“, erzählen sie.

Auftritte im Konsumat

Seit 2004 sind sie verheiratet. Viele ihrer Freunde und Bekannte leben in Pforzheim und dem Enzkreis. Wann sie das letzte Mal „so richtig“ in der Goldstadt unterwegs waren, können sie nicht sicher sagen. Aber sie wissen: „Da hat es das Konsumat noch gegeben.“ Ein Ort übrigens, an dem sie auch schon gespielt haben. „Schade, dass das nicht mehr existiert.“

Überhaupt habe sich in Pforzheim so einiges verändert, findet Daniel, der schon als Sechzehnjähriger in der Fußgängerzone Straßenmusik gemacht hat. „Heute sitzen die Leute draußen, das ist irgendwie mediterraner“, sagt er und grinst. Einer ihrer Lieblingsorte in Pforzheim ist das Kommunale Kino. Die beiden Musiker finden es wichtig, dass eine Stadt kulturelle Angebote für ihre Einwohner bereithält.

„Es ist gut, wenn auch Independent-Filme gezeigt werden. Die können sehr inspirierend sein.“ Apropos: In diesem Zusammenhang fällt Daniel eine Begebenheit ein, die sich vor rund acht Jahren ereignet hat. Damals haben er und Eleni Besuch von Raphael Gordon bekommen, einem Produzenten aus Seattle. Als sie abends mit ihm auf dem Dach der Schlössle-Galerie standen und auf die Stadt herunterblickten, habe er ihnen gesagt, Pforzheim sei ein sehr inspirierender Ort für ihn. „Wie eine weiße Leinwand, die man noch bemalen kann“, erzählt Daniel.

Er und seine Frau Eleni kommen gerne in die Goldstadt, obwohl sie mittlerweile mit ihrer Musik in ganz Europa unterwegs sind. 26 Länder haben sie schon bereist, rund tausend Konzert in fünf Jahren gespielt. Erst vor Tagen sind sie von ihrer zweiten Tour durch England zurückgekehrt. So eine Tour könne ganz schön anstrengend sein, meint Eleni. „Aber es lohnt sich die viele Arbeit für den einen Moment, wenn man auf der Bühne steht – das ist einfach geil.“

Solche Aussagen sind es, an denen man merkt, dass die beiden für ihre Musik leben. Und dass sich nicht im Geringsten um Konventionen scheren. Ihren Zuhörern wollen sie mit ihren Texten zum Beispiel keine vorgefertigten Botschaften in die Hand drücken. Im Gegenteil: „Die Botschaft entsteht beim Hörer selbst.“ Ihr neues Album heißt „Evropi“ – zu Deutsch „Europa“ – und dreht sich um Elenis Familiengeschichte. Es geht um ihre Vorfahren, die aus Kleinasien vertrieben wurden, nach Griechenland kamen und schließlich mit der Gastarbeiterwelle in Deutschland Fuß fassten.

„Aber es geht auch um die vielen Jahre, die wir schon in Europa auf Tour sind“, erklärt Eleni. Man muss bei diesem Album schon genau hinhören, um es zu verstehen. Es ist Musik, die den Zuhörer dazu auffordert, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Momentan sind Eleni und Daniel dabei, letzte Vorbereitungen für ihre nächste Tour zu treffen, die sie durch ganz Deutschland führt. Los geht es schon am Freitag. Und am 2. Oktober machen sie Station im „Jubez“ in Karlsruhe.