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Genießt das Bad in der Menge: Eckart von Hirschhausen bringt das Publikum im ausverkauften CongressCentrum zum Nachdenken und Schmunzeln. Lachen ist eben doch die beste Medizin. Foto: Meyer
12.01.2018

Eckart von Hirschhausen begeistert nahezu 2000 Zuschauer im CCP

Pforzheim. Ausverkauft: 1929 Zuschauer aller Generationen sind laut Veranstalter Kulturhaus Osterfeld am Donnerstagabend ins CongressCentrum gekommen, um ihn zu sehen: Eckart von Hirschhausen – Mediziner, Zauberer, Entertainer. Ein Erklärungsversuch des Phänomens in Fragen und Antworten.

Woher rührt die Beliebtheit?

Eckart von Hirschhausen ist der Arzt, dem die Deutschen vertrauen – und allgegenwärtig: Er ist Bestseller-Autor, beliebter Talkshow-Gast, hat Abendsendungen im Fernsehen, Zeitschriftenkolumnen, ein eigenes Magazin und Bühnenprogramme. Was Richard David Precht für die weniger massentaugliche Philosophie, ist Hirschhausen für die Medizin.

Worum geht es im aktuellen Programm namens „Endlich“?

Nach Glück, Liebe und Wundern widmet sich der Doktor der Nation aus Anlass seines 50. Geburtstags der Zeit und der Endlichkeit des Lebens, mit allen Facetten.

Wie präsentiert er das?

Im gewohnten Mix aus Comedy, Zauberei, Gesang und viel Medizinerwissen für den Hausgebrauch. Auf der Bühne ist Hirschhausen, flankiert vom großartigen Sidekick und Pianisten Christoph Reuter, in seinem Element, improvisiert, sucht mehrfach die Nähe zum Publikum. Sein Humor umspannt Schenkelklopfer genauso wie Geistreiches. Er versteht die Kunst, Komplexes einfach zu machen, bleiernen Themen wie Tod, Nachlassregelung und Altern die Schwere zu nehmen und Unangenehmes charmant zu verpacken. So leidenschaftlich wie leichtfüßig hält er ein Plädoyer zum Sparen von Ressourcen, zum Schutz des Planeten, zum „Entrümpeln“ des Lebens und zur Aufwertung des Pflegeberufs. Wie ein Animateur redet er von positivem Denken: „Wir können den Funken weitergeben.“ Das steckt an, motiviert und macht unglaublich viel Mut.

Welche Tipps hält er parat?

Einige. Zum Beispiel fünf Ratschläge für ein langes Leben. Nicht rauchen, sich mehr bewegen, weniger Fleisch und mehr Gemüse essen („Obst wird überschätzt“), Erwachsen werden (sich Ziele setzen) und schließlich Kind bleiben („Wir werden alt, weil wir aufhören, zu spielen. Also: Freude entdecken und behalten.“). Oder die Methode, wie er selbst zehn Kilo abgenommen hat: acht Stunden essen, worauf man Lust hat, dann aber 16 Stunden pausieren.

Was ist außerdem besonders?

Die Interaktion. Hirschhausen lässt die Zuschauer mitsingen, summend abstimmen und vortragen, was sie während der Pause auf ihre Lebenslustliste geschrieben haben: Dinge, die sie vor dem Tod unbedingt noch erleben wollen. Am Ende fliegen große Luftballons von der Decke, das Publikum spielt freudig mit und stupst sie nach vorne Richtung Bühne.

Gibt es Wermutstropfen?

Ja. Etwas zu viel Werbung: für sein Magazin „Gesund leben“ und die von ihm gegründete Stiftung „Humor hilft Heilen“ – auch wenn deren Ziel, mehr Clowns in Krankenhäusern zu etablieren, ehrbar ist.

Was kann man mit nach Hause nehmen?

Neben Aha-Erlebnissen, interessanten Fakten und viel guter Laune ein Maßband, das über jedem Stuhl hängt. Damit soll der Bauchumfang gemessen werden – um zu sehen, wann’s gefährlich wird. Auf der Rückseite kann man seine Lebenslustliste eintragen. Hirschhausen: „Wünsche präzise formulieren – das hilft, sich klarzumachen, was einem wichtig ist.“