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Auch Thalia-Buchhändlerin Gabi Krüger ist von dem neuen Hirschhausen-Buch angetan. Foto: Ketterl
Auch Thalia-Buchhändlerin Gabi Krüger ist von dem neuen Hirschhausen-Buch angetan. Foto: Ketterl
09.11.2016

Eckart vonHirschhausens Buch über Medizin und die Alternativen

Reinbek. Als „Apple“-Gründer Steve Jobs 2003 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, rieten ihm die Ärzte zur sofortigen Operation. Jobs schwor stattdessen auf alternative Therapien und gesunde Ernährung. Doch alle Smoothies dieser Welt erwiesen sich als machtlos gegen den Krebs. Als Jobs Monate später doch in die Operation einwilligte, war er nicht mehr zu retten. Die Geschichte von Steve Jobs ist für Eckart von Hirschhausen (49) ein fatales Beispiel für falsch angewandte Alternativmedizin.

Bei Krebs hört der Spaß auf

„Krebs verschwindet nicht durch Aprikosenkerne“, schreibt er. „Und wer das behauptet, soll Beweise liefern oder die Klappe halten.“ In seinem Buch „Wunder wirken Wunder“, das seit Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten steht, nimmt der Mediziner und TV-Moderator eine durchaus differenzierte Haltung zu alternativen Heilmethoden ein. Doch bei schweren Erkrankungen wie Krebs hört für ihn der Spaß auf.

Dubiose Wunderheiler, Handaufleger und Scharlatane erteilten verängstigten Patienten oft gemeingefährliche bis tödliche Ratschläge: „Es ist ein Spiel mit der Hoffnung und Angst, das selten ein gutes Ende nimmt.“ So viel zu den verhängnisvollen Folgen der „Wunderheilerindustrie“. Doch Wunder und Medizin müssen sich nicht unbedingt widersprechen. Ob Spontanheilungen, Placebo-Effekte oder Musik als Überlebenskunst – es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht immer gleich wissenschaftlich und rational erklärbar sind, aber doch erkennbar positive Effekte zeitigen. Neben vielen Nieten und faulem Zauber gibt es auch verblüffende Erkenntnisse jenseits der Schulmedizin, meint von Hirschhausen.

Auf humorvolle und hintergründige Art versucht er so, die Welt der Magie und der Wissenschaft miteinander zu versöhnen. Tatsächlich scheint er dafür wie prädestiniert. Denn Eckart von Hirschhausen ist nicht nur ausgebildeter Mediziner, er hat auch jahrelang nebenbei als Zauberer gearbeitet. In dem Buch steckt viel persönliche Lebenserfahrung und man merkt ihm an, dass es mit Herzblut verfasst wurde. Die unterhaltsam präsentierten Texte sind aufgelockert durch witzige Grafiken und Rätselspiele. Abgesehen davon dürfte der Autor schwerlich anecken. Denn obwohl er mit Kritik an der klassischen Schulmedizin nicht spart, stellt er ihren Stellenwert nicht infrage. Und auch die alternative und naturheilkundliche Medizin hat in einem bestimmten Rahmen für ihn ihre Daseinsberechtigung.

Soweit können die Anhänger beider Seiten zufrieden sein. Nur mit den Globuli-Jüngern und Verfechtern einer Stoffwechseldiät geht von Hirschhausen wirklich hart ins Gericht. Seine Hauptbotschaft an den Leser und Patienten aber ist, die Augen immer offen zu halten, zwar wachsam zu sein, doch auch neugierig auf die Wunder dieser Welt.