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Ein Mann, eine Gitarre: der britische Sänger Ed Sheeran.  Foto: dpa 

Ed Sheeran, ein Superstar ganz ohne Knalleffekte

Ed Sheeran sieht mit seinem roten Wuschelkopf nicht gerade wie ein Weltstar aus. Auf seinen Konzerten setzt er – im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen – nicht auf Feuerwerk und Knalleffekte. Dennoch lockt er die Massen. So auch neulich beim Doppel-Open-Air am Hockenheimring, wo er an zwei Abenden rund 200.000 Fans begeistert hat. Und musikalisch geht der Brite eigene Wege – etwa mit seinem Duett-Album „No 6 Collaborations Project“, das am Freitag erscheint.

Kollaborationen sind in der Popwelt nichts Außergewöhnliches. Dass eine ganze Platte aus Duetten besteht, kommt dagegen seltener vor. Musikgrößen wie Barbra Streisand, Jazzsänger Tony Bennett oder Elton John sind solche Ausnahmen. In diese Riege traut sich nun auch Sheeran, für den Duette in seiner Karriere nichts Neues sind. „Die Arbeit daran hat großen Spaß gemacht“, teilte der Brite über sein Label mit. Unter den insgesamt 22 Gesangspartnern sind auffällig viele Rapper, darunter Eminem, 50 Cent, Meek Mill, Chance the Rapper und Cardi B.

Damit schlägt der 28-Jährige einen doppelten Bogen zu seinen Wurzeln. Damals war Sheeran vermehrt in der britischen Rapszene unterwegs und holte sich 2011 für die EP „No.5 Collaborations Project“ mehrere Hip-Hopper ins Studio. Kurz darauf wurde der Songwriter von einer Plattenfirma entdeckt und startete mit „The A-Team“ seine Weltkarriere.

Acht Jahre später bringt Sheeran nun sozusagen den Duett-Nachfolger heraus. In der Zwischenzeit erhielt er etliche Grammy- und Brit-Award-Auszeichnungen, erreichte mit seinen Alben und Singles vielfach Platz eins der Pop-Charts und füllte weltweit große Stadien. Kein Wunder, dass im Gegensatz zu damals keine unbekannten Künstler mit Sheeran singen, sondern Stars wie Bruno Mars und Justin Bieber. Und während der damalige Indie-Newcomer 2011 noch darauf verzichtete, in den Duettsongs über Frauen zu singen, spart der Mainstream-Künstler die Liebe diesmal nicht aus. Ganz im Gegenteil.

In der ersten Single-Auskoppelung, dem Ohrwurm „I Don’t Care“ mit Justin Bieber, heißt es über die Angebetete: „Wenn ich bei meinem Baby bin, verschwinden alle schlimmen Dinge.“ Und auch in der emotionalen Gitarren-Ballade „Best Part Of Me“ mit Yebba, deren Stimme perfekt mit Sheeran harmoniert, gibt es reichlich Liebesschwüre („Der beste Teil von mir bist du“). Trotz dieser textlichen Oberflächlichkeiten zeigt Sheeran gerade bei diesem Song, dass ihm bei Liebesballaden derzeit kaum jemand das Wasser reichen kann. Davon zeugen Hits wie „Thinking Out Loud“, „Photograph“ oder „Perfect“.

Aber der Musiker aus dem britischen Halifax – ab ab morgen auch im Pforzheimer Rex-Kino im Film „Yesterday“ in einer Gastrolle zu sehen – überrascht auf seinem neuen Album. Wer bei einer Kollaboration mit Gute-Laune-Sänger Bruno Mars und Country-Star Chris Stapleton einen Sommerhit erwartet hat, wird eines Besseren belehrt: „Blow“ ist eine lupenreine Rocknummer, samt E-Gitarren, Schlagzeug und Schrei-Intro.

Auf seinen 15 neuen Songs zeigt sich der preisgekrönte Songwriter variantenreich – das legen zumindest die fünf Singles nah, die Sheeran im Vorfeld bereits veröffentlichte. Den Rest hielt seine Plattenfirma – wohl aus Furcht vor einem Leck – bis zum Schluss geheim.