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Roland Kalweit und Danny Richter (rechts) spielen mit dem Publikum. Foto: G. Meyer
Roland Kalweit und Danny Richter (rechts) spielen mit dem Publikum. Foto: G. Meyer
24.09.2018

Edgar-Wallace-Roman zum Mitspielen im Königlichen Kurtheater

Bad Wildbad. Um es gleich vorweg zu sagen – spannend war es nicht. Aber äußerst unterhaltsam. Der angekündigte Gruselabend im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad entließ allen Warnungen zum Trotz echte Krimifans ohne Gänsehaut und mit einem milden Lächeln.

Da ist man inzwischen doch deutlich stärkeren Tobak als eine Leiche im Schrank gewöhnt. Edgar Wallace, Altmeister der englischen Krimispannung, gab in diesem Fall mit seinem Roman „Die Tür mit den sieben Schlössern“ aber auch eher die Vorlage für ein buntes Mitspieltheater als für einen Gruselschocker – und damit dem Schauspiel-Duo Roland Kalweit und Danny Richter die Möglichkeit, mit boulevardesker Leichtigkeit und nicht ohne Slapstikkomik in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen.

Es ist nicht nur eine Spielvorlage mit reduziertem Aufwand, was die in formelles anzuggrau gekleideten Kalweit und Richter aus dem komplizierten Schurken-Adels-Geflecht der Wallace-Vorlage herausgelöst haben. Angesichts heutiger Thriller-Erfahrungen verzichteten sie auf eine Wiederaufbereitung vergangener Straßenfeger-Filme und realisierten eine Spielebene, die mit großem Vergnügen zwischen der Romanvorlage und scheinbar spontanen Aktionen mit beliebigen Mitspielern aus dem Publikum hin und her sprang.

Was am Anfang noch ein wenig schwer in Gang kam, entwickelte ich bald zu einem munter wechselnden Rollenspiel, dem gerade die aus dem Publikum ausgewählten Darsteller zusätzliche Situationskomik abgewinnen konnten. Dass Kalweit und Richter dabei immer mal wieder in private Diskussionen und Kommentare abglitten, erwies sich als pfiffiger Regieeinfall.

Mit Hilfe der eigenen Textbücher und flink aus den Taschen gezauberten Text-Kärtchen für die Mitspieler entwickelte sich das leicht verworrene Drama zunehmend vergnüglicher, zumal sich auch das Publikum bei der Bereitstellung von Requisiten und stimmungsvollen Tonuntermalungen immer kreativer zeigte. Ob schlurfende Schritte, Donnergrollen, Jammergeschrei oder Hundebellen – das Publikum ließ jeden Tonmeister vor Neid erblassen und hatte größten Spaß am variantenreichen Telefonklingeln und Türglockenläuten. Und welch Glück, dass in der ersten Reihe eine junge Dame saß, der die Rolle von Sybil, die Erbin Lord Stenforts, wie auf den Leib geschrieben schien. Sie durfte schließlich dem flotten Scotland Yard Inspektor Dick Martin schluchzend an die Brust sinken.

Das Geheimnis der sieben Schlösser blieb bei so viel Spiellaune eine ganze Zeit lang so etwas wie ein Buch mit sieben Siegeln und auch mancher Handlungsstrang verlief eher im Ungewissen. Aber was machte das schon, wenn der eben noch schneidige Inspektor in bester Flickenschildt-Manier mit rosa Zuschauerschal Gift und Galle spie, umgehend zum schrillen Schurken Dr. Staletti wurde, ein älterer Herr aus der ersten Reihe mit Gebrüll ein „schwachsinnig wirkendes Wesen mit blauen Augen“ mimte und der Chauffeur Tony sein Textkärtchen vor dem Einsatz intensivst studierte? Lustig war es allemal.