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22.03.2016

Ehekrach in der Unterwelt: „Orfeo ed Euridice“ in Berlin

Berlin. Da ist er schon herabgestiegen in die Unterwelt, aber einen Haken gibt es immer noch. Orfeo hat die brutalen Wächter zwar mit seiner Stimme bezirzt, aber seine Geliebte darf er nur zurück ins Leben mitnehmen, wenn er sie auf dem Rückweg nicht anschaut. Den eigenen Partner auf einer langen Reise keines Blickes würdigen? Euridice (Anna Prohaska) flippt aus. Wirft mit Kissen. Singt in etwa „Der Tod ist mir lieber als mit Dir zu leben.“

„Diese letzte Szene ist von einer fast erschreckenden Modernität, weil es zwischen den beiden Liebenden heftig zur Sache geht“, erklärt Regisseur Jürgen Flimm. Er hat für die Staatsoper Berlin die alte Geschichte neu inszeniert – mit ein wenig Blut, vielen Brautkleidern und einem Bühnenbild des Star-Architekten Frank Gehry.

Mit der Premiere eröffneten die Festtage der Staatsoper. Vom Publikum gab es für Dirigent Daniel Barenboim und das Orchester Bravo-Rufe. Gefeiert wurde vor allem aber Countertenor Bejun Mehta, der singt eindrucksvoll den Orfeo in Christoph Willibald Glucks Oper von 1762 – und das eineinhalb Stunden lang ohne Pause.