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Trauer um Paul Angerer, der 90 Jahre alt wurde. Foto: PZ-Archiv
Trauer um Paul Angerer, der 90 Jahre alt wurde. Foto: PZ-Archiv
28.07.2017

Ehemaliger SWDKO-Chefdirigent Paul Angerer ist gestorben

Wien. Der österreichische Musiker und ehemalige Leiter des Südwestdeutschen Kammerorchesters Paul Angerer ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 90 Jahren nach einer kurzen, schweren Krankheit, wie das Radio Klassik Stephansdom berichtete. Der Multi-Instrumentalist, Dirigent und Komponist hatte für die Radiostation Hunderte Klassiksendungen gestaltet.

Der in Wien geborene Musiker startete seine Karriere bei den Wiener Symphonikern, für die er in den 1950er-Jahren als Solobratschist tätig war. Nach dem Gewinn des ersten Preises für eine Orgelkomposition beim internationalen Musikwettbewerb in Haarlem war er bis 1962 Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters sowie des Wiener Burgtheaters. Es folgten Engagements an verschieden Bühnen – als Erster Kapellmeister in Bonn (1964 bis 1966) sowie als Opernchef in Ulm (1966 bis 1968) und Salzburg (1967 bis 1972). Von 1971 bis 1982 leitete er das Südwestdeutsche Kammerorchester. Mit dem Pforzheimer Ensemble spielte Angerer zahlreiche Plattenaufnahmen ein, vorwiegend Werke des Barock, dazu Kompositionen von Haydn und Mozart. Auf ihn gehen auch die Konzertreihe „Begegnung im Stadtgarten“ und die Stadtteilkonzerte zurück. In Angerers Zeit fallen auch große Konzerttourneen, unter anderem im Jahr 1979 durch die USA. Bernhard Elsässer, Arzt und Musiker, kann sich gut an seine zahlreichen Begegnungen mit dem SWDKO-Chef erinnern – vor allem an die gesellschaftlichen Treffen im alten Bauernhaus des Dirigenten in Hohenwart. Elsässer, ein Jahr jünger als Paul Angerer, schildert, dass der Musiker und Komponist, das Orchester nach der Ära Tillegant durchaus vorangebracht habe, „aber er konnte es auch zum Widerspruch reizen“. Was dazu führte, dass der Vertrag des Wieners nicht verlängert wurde und er Ende 1981 die Goldstadt verließ.

Im Jahr 1982 gründete Angerer das Kammermusikensemble Concilium Musicum, um Werke des 18. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten zu musizieren. Als Interpret galt seine Liebe Mozart, den Haydn-Brüdern und ihren Zeitgenossen. Sein Kompositionsstil war stark von Paul Hindemith beeinflusst.

In den vergangenen Jahrzehnten vermittelte Angerer als Moderator klassische Musik mit liebevoll gestalteten Sendungen. Nach 17 Jahren Moderation im Österreichischen Rundfunk wechselte er im November 2001 zu Radio Stephansdom, wo er bis zu seinem Tod über 300 „Capriccio“-Sendungen gestaltete. „Seine Sendungen waren Kult. Selbst aus dem Spitalsbett hat er noch Musikwünsche geäußert“, sagt Chefredakteur Christoph Wellner, der Paul Angerer für den Sender verpflichtet hatte.