760_0900_106151_urn_newsml_dpa_com_20090101_ap_7c6140745.jpg
Auch Gemälde werden im Louvre-Kunstbunker, dem Louvre Conservation Center, aufbewahrt.  Foto: Spingler
760_0900_106150_urn_newsml_dpa_com_20090101_191008_99_20.jpg
60 Millionen Euro kostet das Mega-Depot für Kunstwerke.  Foto: RSHP Mutabilis

Ein Bunker, 250000 Kunstwerke – Neues Louvre-Gebäude im Norden Frankreichs

Liévin. Aus der Luft gleicht das riesige Louvre-Kunstlager einer Sprungschanze, innen eher einem langen Verkehrstunnel. 60 Millionen Euro hat das Mega-Depot im nordfranzösischen Liévin offiziell gekostet. Dafür sollen in dem etwa 200 Kilometer von Paris entfernten Ort 250 000 Werke sicher lagern.

Liévin zählt rund 30 000 Einwohner und liegt nur 600 Meter von Lens entfernt, wo der Louvre im Dezember 2012 seine Dependance „Louvre Lens“ eröffnet hat.

Die Nation habe dem Louvre Schätze anvertraut, die in Paris gefährdet und hier in Sicherheit seien, sagte Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez gestern bei der Einweihung des Centre de Conservation. Damit spielte der 55-Jährige auf die wiederkehrenden Hochwasser der Seine an, die die Sammlungen in den Lagern des Louvre und anderen Orten in und um Paris in den vergangenen Jahren bedroht hatten.

Im Jahr 2016 musste das Museum sogar vier Tage schließen, um seine Kunstwerke aus den Kellern ins erste und zweite Stockwerk zu verlagern. Damals seien in 48 Stunden rund 35 000 Werke in Sicherheit gebracht worden, erinnerte sich Martinez. Aufgrund der Schließung habe das Museum 120 000 Besucher verloren und dadurch rund 1,5 Millionen Euro eingebüßt.

Die Architektur des 18 500 Quadratmeter großen Bunkers stammt von dem renommierten britischen Architektenbüro Roger Stirk Harbour + Partners, die unter anderem das keilförmige, über 200 Meter hohe Leadenhall Building in London mit 22 Panorama-Aufzügen und rund 70 000 Quadratmeter Glasfassade entworfen haben. Aus viel Beton und Glas besteht auch der Louvre-Kunstbunker. Das Gebäude wirkt schlicht und elegant. Im Osten verschwindet es fast in der Erde, im Westen ragt es meterhoch mit riesigen Fensterflächen aus dem Boden heraus. Denn die Einrichtung dient nicht nur der Lagerung. Rund 1700 Quadratmeter sind auch der Untersuchung und Restaurierung der Werke gewidmet.

Bis 2024 soll der Umzug der 250 000 Werke abgeschlossen sein – für Martinez ein einzigartiges Unterfangen. In der Geschichte des Louvre und vielleicht aller Museen weltweit sei dies eine Bewegung von beispiellosem Ausmaß, so der Louvre-Chef. Der bisher letzte Kunstumzug des Louvre erinnert an ein dunkles Kapitel der Weltgeschichte. Während des Zweiten Weltkriegs brachte das Museum mehrere Hundert Meisterwerke vor den Nazis in Sicherheit, darunter die „Mona Lisa“.

Von den 60 Millionen Euro, die das Mega-Lager gekostet hat, wurden 34,5 Millionen vom Louvre gestemmt. Mit 18 Millionen Euro leistete die Europäische Union ihren Beitrag, der Rest verteilt sich unter anderem auf die Region und den Großraum Lens-Liévin.

Die ersten Werke sollen Ende Oktober in den Norden verlagert werden. Dabei soll es sich vor allem um solche handeln, die vor einem neuerlichen Hochwasser am meisten bedroht wären. Bislang lagerten die 250 000 Kunstwerke an mehr als 60 verschiedenen Orten in und außerhalb von Paris.

In dem neuen Louvre-Kunstlager sollen auch vor Terroristen des „Islamischen Staats“ gerettete Kulturgüter aus Syrien und Irak untergebracht werden. Der Louvre besitzt insgesamt etwa 620 000 Werke.