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Atemberaubende Posen: vier Kontorsionistinnen aus Äthiopien. Foto: D. Vollmond

Ein Fest für Augen und Ohren: Akrobaten von „Afrika! Afrika!“ starten Tournee

Stuttgart. Ein farbenfroher Rausch aus exzellenter Live-Musik, mitreißendem Tanz und spektakuläre Akrobatik. Mit einem rasanten Mix dieser Zutaten in geradezu verschwenderischer Dosierung ist die Neuauflage der Zirkus-Show „Afrika! Afrika!“ auf Tournee. Am Dienstag sorgten die gut 60 Akrobaten und Musiker aus Äthiopien, Guinea, Kamerun, Tansania, Südafrika und aus den USA in der nicht ganz ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena für Furore.

Wie aus einem Guss

Grandios dargebotene Musik ist der rote Faden. Vom Start weg entfacht die achtköpfige Band um den kreativen Kopf Francky Moulet ein Klang-Feuerwerk par excellence. Es sind vor allem die Mehr-Oktaven-Gesangsstimmen der zierlichen Tasoakae Adelaid Molipa und des stattlichen Siyakha Unathi Mzekeli (beide aus Südafrika), die es schaffen, aus völlig unterschiedlichen Bühnen-Acts eine Show aus einem Guss zu zaubern.

Mit dem immer noch sofort zündenden Miriam-Makeba-Song „Pata Pata“ untermalt und belebt die um drei Perkussionisten verstärkte Band die vielgeschossigen Menschen-Pyramiden der tansanischen Akrobaten. Einer Jonglage-Einlage verleihen sie mit Manu Dibangos „Soul Moukassa“ rhythmisches Feuer. Eine an sich schon sehenswerte Diabolo-Nummer des Äthiopiers Wakdiyu Dabi Debele machen Ivan Guillano Baziles heißeres Saxofon und eine brodelnde Perkussion zum Höhepunkt. Nach der Pause umrahmen sie mit Youssou N’Dours Hit „Seven Seconds“ den Gänsehaut-Auftritt der äthiopischen Kontorsionistinnen Mekdes Getnet Melaku, Tigit Kassaya Gebregyohens, Haiwote Alemu Belaye und Nadiya Yiha Hussen. Die vier Mädchen verwinden ihre Körper zu immer atemberaubenderen Posen und sie bewegen sich meist völlig synchron.

Mit reizvollen Details

„Afrika! Afrika!“ gefällt mit großen Glanznummern wie den „American Slam Dunkers“, das sind vier US-Basketball-Akrobaten, die in weiten Sprüngen zu Korblegern schweben, sowie mit Gummistiefel-Tanzeinlagen aus Südafrika, aber auch mit zauberhaften Details. Die Poesie einer ganz frühen Roncalli-Nummer besitzt beispielsweise die federleichte, sogenannte Sanddorn-Balance des Kanadiers Andreis Jacobs Rigolo. Er gestaltet in Zeitlupentempo aus Palmblatt-Rispen und einer Feder ein fragiles Riesenmobile – und wird vom staunenden Publikum gefeiert.

Der Ivorer Georges Momboye (50) ist seit Anfang 2017 Künstlerischer Leiter von „Afrika! Afrika!“ Er zählt zum kreativen Urgestein der Zirkus-Show und gehört ihr seit ihrer Gründung im Jahr 2005 an. Zunächst als rechte Hand André Hellers, der die Idee des Projekts bis 2014 konsequent vorantrieb und umsetzte.

Das aktuelle Programm hat Momboye in Castings oder anhand von zugesandten Videos in eigener Regie ausgewählt: „Alle afrikanischen Artisten kommen sehr gerne nach Europa“, sagt er, „um dem Publikum ihr Können zu zeigen.“ Was sie in der weiten Welt der Artisten besonders macht, ist die offen gezeigte Lebensfreude, die auch die unlängst beim Internationalen Circus-Festival von Monte Carlo mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Hand-auf-Hand-Akrobaten von „Afrika! Afrika!“ beflügelt.