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Das Ensemble für frühe Musik musizierte in der Altstadtkirche. Foto: Molnar
Das Ensemble für frühe Musik musizierte in der Altstadtkirche. Foto: Molnar
21.09.2017

Ein „Hosianna“ beendet zweistündiges Konzert mit Renaissance-Liedern in Altstadtkirche

Pforzheim. „Zwei große Feur sie zünd`ten an, die Knaben sie her brachten, es nahm groß Wunder jedermann, dass sie solch Pein veracht`ten (…)“. So heißt es in einem Text von Martin Luther über zwei junge Märtyrer, die 1523 in den Niederlanden öffentlich verbrannt wurden. Zwölf Strophen hat der Reformator über ihre Standhaftigkeit geschrieben, die von dem Zeitgenossen und Herausgeber des ersten evangelischen Chorgesangbuchs, Johann Walter, vertont wurden. Beim Konzert des Ensembles für frühe Musik Karlsruhe in der Altstadtkirche erklingen vier Strophen aus diesem überaus positiven Stück „Ein neues Lied wir heben an“. Mit Schwung und von Tenor Wolfgang Müller markierter Festigkeit kommt es daher, ebenso mit Verzierungen durch die Sopranistin Iris Wielandt.

Ein paar mehr von solchen dynamischen Liedern hätten dem zweistündigen Programm sicher gut getan, wird doch eher schwermütig getragene Musik der Reformationszeit präsentiert. Etwas eintönig und nicht immer ganz intonationssicher wirkt die Auswahl und Darbietung der meist lateinischen Renaissance-Lieder, die auf historischen Instrumenten von Bruno Steger (Dulcian und Bass), Bernhard Wielandt (Posaune und Bariton), Christa-Maria Missel (Renaissance-Flöten), Hans Ulrich Lang (Bassgambe) sowie Hans-Otto Köhne (Gamben, Zink, Krummhorn) begleitet werden. So stehen zum Beispiel zwei vertonte Texte und ein Klagegesang auf den Tod von Melanchthon auf dem Programm, die lateinische Motette von Luther „Ich werde nicht sterben, sondern leben“ oder das fünfstimmige Lied „Verba Ultima Lutheri“ von Caspar Othmayr zu Luthers Tod – mit Texteinlagen des Betrauerten in dessen Sterbebett.

Ansprechend sind die profunden Erläuterungen zu Komponisten und Werken durch Hans-Otto Köhne, der auch das Spiel mit schönen Zink- oder Gamben-Akzenten versieht – etwa bei dem weich fließenden Instrumentalstück „In Prinzipio Erat Verbum“ von Ludwig Senfl. Weniger aufeinander abgestimmt ist ein weiteres, nichtvokales Stück des mit Luther freundschaftlich verbundenen Komponisten, „In Gottes Namen fahren wir“. Von den Sängern überzeugen der kraftvolle Bass und der gestaltungsfreudige Tenor, die Altistin Brigitte Köhne bleibt etwas blass.

Versionen von „Eine feste Burg“

Neben Liedern von Leonard Lechner, Paul Schede oder Sigmund Hemmel kommen auch zwei „Ein feste Burg“-Versionen von Stephan Mahu und Johann Walter sowie dessen fünfteilige Huldigungsmotette auf den Kurfürst Johann Friedrich zu Gehör, die zur Einweihung der ersten evangelischen Kirche in Torgau komponiert wurden. Mit einem Hosianna aus der Sammlung von Michael Praetorius schwingt der Abend aus.