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13.10.2016

Ein Saitenmagier bei der Arbeit

PFORZHEIM. Dass er zu wenig Selbstbewusstsein hätte, das kann man Al Jones nun wirklich nicht nachsagen. Bei seinem Konzert im Pforzheimer Gasometer fordert er das Publikum zum Beispiel schon vor Beginn des Auftritts zum Applaudieren auf. Wer dieser Aufforderung nicht nachkommen will, wird von der Bühne herab ermahnt. Bei anderen Musikern würde man so etwas wohl ein bisschen unverschämt finden.

Aber Al Jones, der darf das. Schließlich zählt er zu den besten Bluesmusikern weltweit und hat in seiner langen Karriere schon mit internationalen Größen wie B. B. King, Johnny Winter, Champion Jack Dupree oder Louisiana Red zusammen gearbeitet. Seit Anfang der 1980er-Jahre tourt er mit seiner Bluesband durch ganz Europa und macht eine Musik, die zwar eng mit den Wurzeln des Blues verbunden ist, aber trotzdem einen ganz eigenen Klang hat. „Ich mache eben den Blues, der mir gefällt“, sagt er in der Pause im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“. Er wolle sich nicht von vornherein auf eine bestimmte Stilrichtung festlegen lassen. Und das muss er auch nicht. Denn Al Jones weiß auch so, wie es geht. Er hat den Groove in seiner tiefen, erdigen Stimme und in der Hand ganz lässig eine Elektrogitarre, der er immer wieder hervorragende Soli zu entlocken weiß. Er ist dann ganz in seinem Element, konzentriert sich nur auf die Saiten seines Instruments und scheint so lange alles um sich herum auszublenden. Ein wahrer Saitenmagier eben. Und der geborene Bandleader. Mit kleinen Gesten zeigt er in Pforzheim seinen fünf Mitspielern ihre Einsätze, gibt ihnen ein kurzes, für das Publikum kaum sichtbares Zeichen, wenn sie zu laut, zu leise, zu langsam oder zu schnell sind. So funktioniert das eben beim Blues. Da wird viel improvisiert. Al Jones deutet mit dem Zeigefinger in die Richtung von Eddi Taylor. Der versteht den Wink sofort, legt an seinem Tenorsaxophon los und entlockt ihm den rauen, zupackenden Klang, der so typisch ist für den Blues.

Brillant auch Volker Kunschner an seiner elektrischen Orgel und Björn Kellerstrass am Schlagzeug, während Bassist Peter Schmid zwar auch einen guten Job macht, aber eher im Hintergrund bleibt. Ganz anders Yvonne Isegrei, die sich mit ihrer Gitarre immer wieder auf ein Zusammenspiel mit Al Jones einlässt, das frisch und dynamisch wirkt. Die Begeisterung für den Blues sei bei ihm schon als Kind geweckt worden, erzählt Al Jones im Gespräch noch. Schuld seien damals die Beatwelle und das „American Folk Blues Festival“ gewesen. Seither mache er Musik. Und hoffentlich tut er das auch weiterhin. Organisiert hatte das Konzert der Jazzclub Pforzheim.