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Marcin Ostrowski, Dagmara Forys, Katarzyna Wasiak, Magdalena Krawczuk und Zofia Lodygowska (von links) zeigen berührende Interpretationen. Foto: Meyer
Marcin Ostrowski, Dagmara Forys, Katarzyna Wasiak, Magdalena Krawczuk und Zofia Lodygowska (von links) zeigen berührende Interpretationen. Foto: Meyer
02.06.2017

Ein fulminantes Konzert für die Verfolgten in der Nazizeit

Pforzheim. Ihre Musik speist sich aus der Energie unbeugsam hoffnungsvoller Trauer: Die junge Pianistin Katarzyna Wasiak und das ebenso jugendliche „Diverso Streichquartett“ widmeten im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld Komponisten jüdisch-polnisch-sowjetrussischer Herkunft, die in der Nazizeit verfolgt wurden, ein fulminantes Konzert.

Wegen politischer Katastrophen und Kriegen sind viele geniale Würfe in der Musik verschüttet worden, zu denen die im Osterfeld vorgestellten Werke von Mieczyslaw Weinberg, Gideon Klein und Szymon Laks zählen. Immerhin hat der Schostakowitsch-Freund Weinberg, der sich 1939 vor dem Überfall der Wehrmacht aus Warschau nach Taschkent retten konnte, in den letzten Jahren eine Aufführungs-Renaissance erlebt.

Sein im Osterfeld gespieltes, 1944 komponiertes Klavierquintett f-Moll gleicht einem obsessiven Sich-Abarbeiten an der eigenen Biografie. In der Pforzheimer Wiedergabe mündete das Stück nach dem in weiten Spannungsbögen ausgelegten Largo mit unbarmherziger Wucht der Streicher und wütendem Hämmern des Klaviers glühend in den grimmigen Finalsatz ein, bis sich ein liedhaftes Thema herauskristallisierte und die Musik im leisen Streicher-Gespinst verdämmerte.

Werk eines Wunderkinds

Von dem noch 1945 in einem Auschwitz-Nebenlager ermordeten Komponisten Gideon Klein, der seinerzeit als musikalisches Wunderkind galt, führten Marcin Ostrowski (Violine) und Zofia Lodygowska (Violoncello) ein Fragment gebliebenes Duett auf, das die beiden Streicher in seiner bedrückt-verletzlichen Ausdrucksverbissenheit mit sprödem Grundcharakter wie eine Schicksalsmusik interpretierten.

Der dritte im Osterfeld gewürdigte Komponist, Szymon Laks, überlebte Auschwitz und übersiedelte nach Frankreich, von dessen Musik-Kultur er ohnehin deutlich geprägt war. Sein Klavierquintett „Sur des motifs populaires polonais“ („über populäre polnische Motive“), das von den genannten Interpreten zusammen mit Dagmara Forys (Violine) und Magdalena Krawczuk (Viola) musiziert wurde, wirkte überraschend gelöst und frei von Pathos. Das von Laks als Hommage an sein Heimatland folkloristisch gefärbte Werk schlug einen temperamentvoll-lebhaften, durchaus heiteren Grundton an, wobei der Musizierfreude der polnischen Quintett-Musiker ein gehöriger Anteil zukam.

So erlebte der von Frank Harders-Wuthenow moderierte, von der Berliner Raff-Foerderreuther-Stiftung und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Pforzheim-Enzkreis unterstützte Konzertabend einen mit viel Beifall bedachten, versöhnlichen Ausklang.