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Mick Box von Uriah Heep begeistert noch immer.  Foto: Pedersen 

Ein guter Schluss ziert alles: Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep on Tour in Ludwigsburg

Ludwigsburg. Wenn drei legendäre britische Bands wie Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep ein gemeinsames Konzert veranstalten, sollte eigentlich ein grandioser Abend und eine wunderbare Reminiszenz an die Hard-Rock-Musik der 1970er-Jahre garantiert sein. Bei der Auftaktveranstaltung der durch 14 deutsche Städte führenden Tour „Music & Stories 2020“ in der Ludwigsburger MHP-Arena war das auch so – zumindest zu zwei Dritteln.

Doch der Reihe nach. Vielversprechend der Anfang mit Wishbone Ash, die ebenso wie die beiden anderen Formationen erst vor kurzem ihr 50. Bühnen-Jubiläum feierten. Mit viel Power, aber auch viel Gefühl präsentiert sich Andy Powell, Sänger, Gitarrist und Gründungsmitglied der Band. Nicht allein mit bekannteren Songs wie „Lorelei“ und „Persephone“ sowie klar strukturierter Musik wissen er und seine Mitstreiter zu imponieren, sondern auch mit Titeln wie „Warrior“, bei dem der Kampf um die Freiheit thematisiert wird.

Nach sieben Stücken und einer knappen Stunde ist die Vorfreude groß auf Nazareth, zählen doch Balladen wie „Dream On“ und „Love Hurts“ zu den eingängigsten Liedern des Rock. Doch was bieten der seit 2015 mitwirkende Sänger Carl Sentance und die übrigen Bandmitglieder? Eine Vorstellung, bei der sämtliche Titel heillos übersteuert sind, und eine Stimme, bei der diese eigentlich sanften Stücke so schrill rüberkommen, dass einige Zuhörer in das Foyer flüchten. Und selbst schnellere und härtere Nummern wie „This Flight Tonight“ sind nur ein diffuses Klanggemisch.

Wie wohltuend dagegen der dritte Teil mit Uriah Heep. Es darf ja gerne laut, auch sehr laut, sein, wenn alles stimmt. So wie bei „Gipsy“, fetzig und klar. Sänger und Leadgitarrist Mick Box, der seit 1969 dabei ist, Sänger Bernie Shaw, Bassist Davey Rimmer, Russell Gilbrook und der virtuose Keyboarder Phil Lanzon, harmonieren prächtig. Einfach berührend „Lady In Black“ und mitreißend das 1972 entstandene „Easy Livin‘“.

Wenn Nazareth es schafft, bis zum Ende der Tournee den Sound deutlich zu verbessern und Moderator Andy Scott von „Sweet“ die einstündigen Umbaupausen des vierstündigen Abends kurzweilig überbrücken sollte, könnte die Tour am 29. Januar in Dortmund vielleicht sogar großartig enden.