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Im Theater ist wieder etwas los: Stamatia Gerothanasi und Klaus Geber zeigen beim Liederabend, was sie können. 

Ein musikalisches Feuerwerk mit vielerlei schönen Akzenten: Kurzweiliger Liederabend begeistert im Theater Pforzheim

Pforzheim. Wie im Flug vergeht die Zeit: Minute um Minute, ohne, dass es einem auffällt. Ein Titel folgt auf den anderen, ohne Unterbrechung, ohne Pause. Vom Schlager geht es zur Musicalnummer, vom Popsong zur gefühlvollen Herz-Schmerz-Schmonzette. Stamatia Gerothanasi, Lilian Huynen, Klaus Geber und Philipp Werner zünden am Samstagabend im Theater ein musikalisches Feuerwerk – eines mit vielerlei schönen Akzenten.

Nichts scheint es zu geben, was die Vier nicht beherrschen. Stamatia Gerothanasi zum Beispiel transportiert mit ihrer weichen, klaren Stimme Emotionen: Egal, ob sie „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ singt, von weißen Rosen aus Athen berichtet oder wie Vicky Leandros vor fast 50 Jahren erklärt „Ich hab die Liebe gesehen“: Bei ihr klingt alles geschmeidig und zart – so, als bereite es ihr überhaupt keine Mühe.

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Kraftvoll: Lilian Huynen, hier mit Schlagzeuger Florian Schüle.

Klaus Geber intoniert mit zurückhaltender Eleganz, das tiefe Timbre seiner Stimme nicht nur bei Karats „Sieben Brücken“ schön zur Geltung bringend. Und Philipp Werner? Der zeigt, wie man Abbas „The Winner Takes It All“ in etwas verwandelt, das monumental und berührend klingt: mit ordentlich Schmalz und leichtem Vibrato. Bunte Lichter tanzen auf dem glitzernden Bühnenvorhang: rote, blaue, grüne und gelbe.

Künstler decken die ganze Bandbreite ab

In kleinen Punkten reflektiert er das Licht und wirft es in langen Bahnen auf die Bühne zurück, wo die vier Künstler auf Barhockern Platz genommen haben – zusammen mit den drei Musikern Klaus Dusek (Kontrabass), Florian Schüle (Schlagzeug) und Philipp Haag (Klavier), die sich dezent im Hintergrund halten und damit ihren singenden Kollegen genug Raum geben, um ihre Stimmen zur Geltung zu bringen und ganz nebenbei ihre Wandlungsfähigkeit zu präsentieren: Hat Werner eben noch voller Gefühl „What a Wonderful World“ zart intoniert, trällert Gerothanasi wenige Sekunden später „Guten Morgen, Sonnenschein“, ganz vergnügt, mit einem breiten Lachen im Gesicht. Klang „Send in the clowns“ noch ernst und melancholisch, folgen kurz darauf Reinhard Meys heiter vorgetragene Überlegungen zu den Tagen, an denen er sich wünscht, sein eigener Hund zu sein.

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Überzeugend: Philipp Werner.

Zusammengestückelt oder gar peinlich wirkt das nie. Im Gegenteil: Es ist fast so, als müsse sich das eine zwangsläufig aus dem anderen ergeben. Die ganze Bandbreite decken die Vier ab: Popmusik, Schlager und Chansons, Jazziges, Swingendes und Rockiges. Sie singen von Liebe, von Glück und von der Schönheit der Welt. Es sind Stücke voller Zuversicht, die Mut machen und hoffnungsvoll stimmen. Lilian Huynen gibt alles. Ihre raue Stimme ist voller Kraft, Dynamik und Volumen.

Sie singt mit dem ganzen Körper – auch dann, wenn sie dabei auf einem Barhocker sitzt. Wie macht sie das nur? Und wie meint sie das, wenn sie in diesen Zeiten „Hurra, wir leben noch“ oder „I Will Survive“ schmettert? Fragen über Fragen. Fest steht jedoch: Dieser Samstagabend macht Spaß, bietet musikalischen Hochgenuss und lässt die Probleme für ein paar Minuten in den Hintergrund treten. Nach etwas mehr als einer Stunde verkünden die Musiker, was seit kurzem wieder zutrifft: „Im Theater ist was los.“ Das Publikum ist begeistert und freut sich über die Zugabe „Gute Nacht, Freunde“. Könnte es passendere Worte geben, um das Konzert zu beenden?