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Ein vielfältiges Repertoire zeigte Markus Becker am Klavier.  Foto: Frommer 

Ein wahres Husarenstück: Pianist Markus Becker begeistert in der Jazz-Lounge „domicile“

Pforzheim. Vielfältiges Rezital: Pianist Markus Becker zelebriert im ausverkauften „domicile“ nicht weniger als drei Zugaben: Zunächst „einen Satz Haydn“, nach viel Applaus: eine spätromantische Miniatur von Max Reger (1873–1916) und zu guter Letzt den anspruchsvollen Jazz-Standard „All The Things You Are“ des New Yorker Musical-Komponisten Jerome David Kern (1885–1945). Abwechslungsreiche Lautmalerei mit erstaunlichen Klangnuancen, vielerlei Facetten und Schattierungen: Ein musikalischer Farbenreichtum, der auch Beckers eigenes Repertoire kennzeichnet, um das es am Montag beim Release-Konzert der CD „Freistil“, letztlich ging.

Markus Becker (Jahrgang 1963) wurde wiederholt mit Preisen der Deutschen Schallplattenkritik und dem „Echo Klassik“ ausgezeichnet. Er zählt zum kleinen Fähnlein internationaler Pianisten, die den höchst anspruchsvollen Spagat zwischen Klassik und Jazz überzeugend bewältigen. Seit 1993 ist er Professor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.

Die Kompositionen seines ersten Jazz-Albums tragen programmatische Titel wie „Paarlauf“, „Elchtest“ oder „Nostalgia“, sie sind gelegentlich hell und ausgesprochen heiter wie das Stück „Und raus bist Du“, zu dem er die wiederkehrende Spielfigur der linken Hand lapidar mit „Kellerküche“ erklärt, oder sie balancieren trittsicher am Rande der Dissonanz, wie der Titel „oder so“. Mitunter sind sie schlicht und einfach spannend, wie die Komposition „Zwielicht“, die zwischen e-Moll und „dem weit entfernten“ ES-Dur changiert. Der Klaviersatz „Kinderszene“ zitiert aus der Welt Robert Schumanns und der Titel „Spieglein“ überrascht mit drei ineinander verschachtelten Intervallen. Andere musikalische Momentaufnahmen sind das fast nur aus Quinten bestehende „Daumenkino“ oder der witzige Dialog zweier, ganz offensichtlich unterschiedlich großer Fische im Verlauf der Komposition „Pilotfisch“. Ein Höhepunkt und zugleich ein wahrer Husarenritt ist das Stück „Dvořák“. Den namensgebenden Titel der vorgestellten CD – „Freistil“ – präsentiert Becker dem Jazzclub-Publikum mit dem augenzwinkernden Hinweis, der sei „arg ins Rachmaninow-Fach getaucht“. Beides beschert ihm am Ende des zweiten Sets Sympathie und enormen Applaus.