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Winfried Reinhardt (links) und Janusz Czech beim Aufbau der Ausstellung im Kreativzentrum EMMA.  Seibel
Winfried Reinhardt (links) und Janusz Czech beim Aufbau der Ausstellung im Kreativzentrum EMMA. Seibel
Fast wie ein Gemälde: Fotografie mit Fahrzeugspuren in der Steppenlandschaften.
Fast wie ein Gemälde: Fotografie mit Fahrzeugspuren in der Steppenlandschaften.
Schamanenbild von Janusz Czech.
Schamanenbild von Janusz Czech.
24.02.2016

Einblicke in eine mystische Welt: Pforzheimer Künstler zeigen Bilder vom Baikalsee

Über 25 Millionen Jahre alt, 636 Kilometer lang und sagenhafte 1642 Meter tief ist das „Heilige Meer“ Sibiriens, der Baikalsee, der mit seinen Mythen seit Jahrtausenden die Menschen fasziniert. Eine Faszination, der sich auch die in Pforzheim lebenden Künstler Winfried Reinhard und Janusz Czech nicht entziehen können. Und die sich in ihren Arbeiten widerspiegelt. Im Juli 2015 reisten die beiden nach Irkutsk, der Partnerstadt Pforzheims, und an den Baikalsee, um am Internationalen Festival „Perworyba“ für zeitgenössische Kunst teilzunehmen.

In einer Ausstellung im Kreativzentrum EMMA zeigen sie bis Sonntag, wie sich diese Eindrücke in ihrer Kunst niedergeschlagen haben. Und am Mittwoch um 19 Uhr berichten sie, was sie an diesem Ort, an den dort lebenden Menschen und ihrer Kultur so beeindruckt.

Für Janusz Czech sind das vor allem Rituale voller Mythen und Wunder. Archäologen und Ethnologen gehen davon aus, dass in diesem Teil Sibiriens schon seit der Steinzeit Schamanismus praktiziert wird. Ab dem 17. Jahrhundert wurde in Burjatien zudem der Buddhismus durch mongolische und tibetische Lamas verbreitet. Eine spirituelle Verbindung, die der Pforzheimer Künstler in seine Werke einfließen lässt. Teils vor Ort entstanden, sind die mit Tusche überarbeiteten Aquarelle eine geheimnisvolle Welt für sich. Da blicken dem Betrachter Vogelwesen entgegen, in die sich Schamanen auf ihrer spirituellen Reise in die Krone des Baumes Toru in der Oberwelt verwandeln. Da flattern die bunten Gebetsbänder durch die Gemälde, jagen düstere Gesichter Schauer über den Rücken. Das Sonnwendfest, das Czech während seines Aufenthalts erlebt hat, lässt er in seinen abstrakten Planeten-Lithografien in sanften Rot-braun-Tönen glühen.

Winfried Reinhardt hingegen lädt mit seinen Fotografien ein, den Blick schweifen zu lassen – über hügelige Steppenlandschaften mit sibirischen Zedern und Lärchen, mit dem tiefblauen Baikalsee im Hintergrund und mit Menschen, die winzig wie Ameisen diese weite Landschaft bevölkern. Doch wer diese zwei Meter breiten Panorama-Aufnahmen näher betrachtet, sieht auch, wie der Mensch diese scheinbar unberührte Landschaft immer mehr zivilisiert. An den Buchten des Sees entstehen zahlreiche Feriendörfer, der braun-graue, dürre Bodenbewuchs ist durchzogen von einer Vielzahl von Fahrzeugspuren. In den Aufnahmen des Pforzheimer Fotografen fügen die sich zu ästhetischen Formationen, die allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch hier massiv in die Landschaft eingreift – und damit Stück für Stück dem Baikalsee und seiner Landschaft den mythischen Zauber raubt.