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Vorstandsmitglied Norbert Jüdt bei einer Vernissage mit der Künstlerin Chong-Im Neukamm. Foto: Privat
Vorstandsmitglied Norbert Jüdt bei einer Vernissage mit der Künstlerin Chong-Im Neukamm. Foto: Privat
Hier ist Raum für Kunst: Der Katharinentaler Hof beherbergt außer der Künstlergilde auch noch Ateliers. Fotomontage: Jüdt
Hier ist Raum für Kunst: Der Katharinentaler Hof beherbergt außer der Künstlergilde auch noch Ateliers. Fotomontage: Jüdt
23.08.2017

„Eine abgeschirmte Oase für die Kunst“ - PZ-Interview mit Norbert Jüdt

Die Künstlergilde Buslatwar von Professor Stefan Sandkühler 1962 gegründet worden. Im Jahr zuvor hatte der Privatdozent für Innere Medizin das Schloss Bauschlott erworben. Vor zehn Jahren hat die Gilde auf dem Katharinentaler Hof eine neue Heimat gefunden. Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Vorstand. Die PZ sprach mit dem in Neulingen lebenden Norbert Jüdt, der auch mit eigenen Kunstarbeiten auf sich aufmerksam macht, über Gegenwart und Zukunft der Gilde.

PZ: Sie sind Vorsitzender der Künstlergilde Buslat. Ich vermute, diese Aufgabe nimmt sicher viel Zeit in Anspruch. Warum machen Sie das?

Norbert Jüdt: Kleine Korrektur, ich bin einer von drei Vorsitzenden im geschäftsführenden Vorstand. Mit im Boot sind Barbara Dabbagh, langjähriges Künstlermitglied der Gilde mit Vorstandserfahrung beim Stuttgarter Künstlerbund, die etwa die Hälfte der Veranstaltungsorganisation übernimmt, sowie Michael Schmidt, zuständig für die Finanzen, jedoch im ‚Nebenamt‘ eben auch Bürgermeister. So bleibt das alltägliche finanzielle Kleingeschäft auch an mir hängen. Aber wir sind froh, dass er uns am Jahresende einen professionellen Kassenbericht erstellt, die Kassenprüfung organisiert und sich um die Beitragszahlungen kümmert. Da ich eigentlich nur für den Bereich Konzeption verantwortlich wäre, haben Sie, was die zeitliche Beanspruchung betrifft, natürlich recht. Warum mache ich das also? Ich hätte den Konkurs des Vereins als ein Stückchen Kulturverlust in der Region empfunden, denn die Gilde hatte eine lange Tradition und einen guten Namen.

Die Künstlergilde ist ja zumindest im vergangenen Jahrzehnt durch schwierige Zeiten gegangen, so auch mit der Suche nach neuen Räumlichkeiten und auch nach jemandem, der die Gilde leitet. Hat sich das Domizil auf dem Katharinentaler Hof bewährt, und ist es so angenommen worden, wie man sich das gewünscht hat?

Eindeutig ja! Alle Rückmeldungen seit dem Einzug im Jahr 2007 sind nach wie vor positiv bis begeistert. Das gilt auch für alle Musiker, die durchweg die besondere Atmosphäre hervorheben, die einerseits durch den Rahmen der Kunstausstellungen gegeben ist, aber ganz konkret auch durch die angenehme Akustik des Raumes. Das wiegt offenbar die beiden Nachteile auf, dass man den Hof nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann und dass man sich in den Wintermonaten warm anziehen muss.

Und was ist mit der neuen Leitung? Ist es einfach, alle künstlerischen Interessen unter einen Hut zu bringen? Mussten alte Strukturen ersetzt werden?

Es war und ist auch heute noch nicht ganz einfach, die alte „Einer-macht-alles-Struktur“ durch kooperative Arbeitsformen zu ersetzen. Aber es funktioniert, zumindest solange einer den Überblick und die Fäden in der Hand behält, und ich bin nun mal der Dumme, der zum Glück noch ganz in der Nähe wohnt. Unterschiedliche künstlerische Sichtweisen müssen naturgemäß ständig in der Jury diskutiert werden.

Die Künstlergilde hat viele treue Mitglieder, auch unter den Künstlern. Wie sieht es mit jungen „Zugängen“ aus?

Die treuen alten Mitglieder haben in der Krise durch ihr Votum und auch durch eine finanzielle Sonderumlage das Überleben des Vereins gesichert. Aber natürlich habe ich schon bei einer Ausstellungseröffnung etwas flapsig festgestellt, dass die Künstlergilde ein ökologisch einwandfreies Produkt ist – nämlich völlig biologisch abbaubar. Und was den Nachwuchs jüngerer Mitglieder anbetrifft, so teilt die Gilde das Schicksal aller heutigen Vereine. Diese sind für eine „Generation Facebook“ keine attraktiven Kommunikationsräume mehr und außerdem immer mit ungeliebten Verpflichtungen verbunden. Wir haben nicht zuletzt aus diesem Grunde eine Kooperation mit der Hochschule begonnen, die weiterentwickelt werden soll, und denken darüber nach, wie wir zum Beispiel durch Kontakte mit Schulen und örtlichen Vereinen mit der Aufgabe der Kunstvermittlung bereits bei Kindern und Jugendlichen ansetzen können.

Ich denke, es hat einen Umbruch gegeben, und die Künstler- gilde ist auf dem Weg zur Erneuerung?

Wenn in der öffentlichen Wahrnehmung so etwas wie ein Umbruch stattgefunden hat, kann uns das nur recht sein. Aus meiner Innensicht ist es vielleicht eher das prägnantere Herausarbeiten einer Traditionslinie: des schon erwähnten Gründergedankens einer Verbindung der Künste. Mein kunstdidaktisches Interesse geht dahin, die inneren Verwandtschaften der Künste sichtbar zu machen.

Die Gilde war und ist ein Ort, der auch bei den Ausstellungseröffnungen mit einer besonderen Atmosphäre punktet und meistens einen Gästebesuch verzeichnet, von dem andere nur träumen. Können Sie das erklären?

Es freut mich natürlich zu hören, dass andere von unseren Besucherzahlen nur träumen. Wir hätten uns manchmal ein noch größeres Interesse gewünscht. Aber es ist schon richtig, dass die Galerie auf dem Katharinentaler Hof auch in unserer kritischen Selbstwahrnehmung sehr gut angenommen worden ist – als eine schon allein architektonisch abgeschirmte Oase für die Kunst, was sich in der Residenz von zwei Künstlerateliers auf dem Hof ausdrückt. Ein weiterer Attraktivitätsfaktor ist wahrscheinlich eben diese Verbindung von Musik und bildender Kunst und möglicherweise eine gewisse Auflockerung der früher etwas festgefahrenen Veranstaltungsrituale.

Inwieweit spielt die eigene künstlerische Ausrichtung, bei ihren Fotografi-k-en spielt ja der Computer eine entscheidende Rolle, bei der Programmgestaltung mit?

Sicher wird meine Affinität zum Computer als Gestaltungsmittel den Blick auch auf die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der digitalen Medien richten und weiter öffnen. Dazu bedarf es allerdings einiger technischer Voraussetzungen, die bisher noch nicht gegeben sind.

Wie sind Ihre weiteren Pläne für die Gilde?

Wenn aus Träumen Pläne werden sollen, braucht man Geld. Der wichtigste Plan besteht also darin, den finanziellen Spielraum zu vergrößern. Das geht im Grunde nur dann, wenn wir einen Sponsor finden, für den eine solche Kunstoase ebenfalls einen ideellen Wert darstellt. Das aber funktioniert leider nicht nach Plan.

Die nächste Ausstellung „eIGENzEIT–eIGENart“ mit Arbeiten von Herbert Goldacker, Wolfgang Lemke und Hermann Roth wird am Sonntag, 3. September, um 11 Uhr eröffnet. www kuenstlergilde-buslat.de