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Unter der Leitung von Heike Hastedt zeigt das Bachorchester Pforzheim eine aufgeweckte Interpretation. Foto: Molnar
Unter der Leitung von Heike Hastedt zeigt das Bachorchester Pforzheim eine aufgeweckte Interpretation. Foto: Molnar
12.05.2017

Eine musikalische Reise durch fünf Jahrhunderte: Konzertreihe „Bachstunde“ startet

Das Bachorchester Pforzheim spielt in der Stadtkirche farblich reizvolle Orchesterwerke von großen Komponisten aus Großbritannien. Der Auftakt zur Reihe mit acht einstündigen Konzerten macht Lust auf mehr.

Pforzheim. Vom typisch britischen Humor ist nichts zu spüren. Und doch steht die erste Bachstunde mit über 200 Besuchern ganz im Zeichen Englands – mit farblich reizvollen Orchesterwerken von Georg Friedrich Händel, Hubert Parry, Edward Elgar und Benjamin Britten. Zum Auftakt der Reihe mit acht einstündigen Konzerten in der Stadtkirche begibt sich das Bachorchester Pforzheim, das dieses Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, auf eine musikalische Reise durch fünf Jahrhunderte.

Das älteste Werk ist von 1739: das barocke Concerto grosso op. 6, Nr. 1 von Händel. Es soll „Lust auf mehr machen“, erklärt Dirigentin Heike Hastedt zu Beginn. Und so wechseln die Musiker munter zwischen Soli und Tutti, lassen das Violinen-Duo etwa im vierten Satz hervortreten und unterstreichen im letzten Satz noch einmal den festlichen Charakter mit schwingenden Metren.

Parrys eher unbekannte „English Suite“ für Streichorchester – entstanden im Zeitraum des Ersten Weltkriegs – bedient sich auch barocker Elemente, wirkt in ihrem Klangbild aber ganz anders. Drei von sechs Sätzen werden gespielt, das „Prelude“, „Menuett“ und das fröhliche Finale „Frolic“. Auffällig sind die vielen Wiederholungen und Melodien, die das Bachorchester mit variabler Dynamik entfaltet. Mal klingt es geheimnisvoll und verträumt, mal tänzerisch und heiter. Gerade der Schlusssatz, der im Pizzikato beginnt, lebt von seinem Volkstanzcharakter und wiederkehrenden Rhythmusmotiv. 9. Satz „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen von 1898, arrangiert von Albert Steinberger. Vermutlich handelt es sich um eine Erstaufführung der Bearbeitung in dieser Region. Elgar beschrieb darin seinen engsten Freund und Förderer August Jaeger, die Variation soll an den langsamen Satz aus Beethovens „Pathétique“ erinnern. Mit behutsamem Strich und großer Langsamkeit tastet sich das Orchester an die melancholische Melodie, die im weichen Legato mehr Fülle und Dichte erhält.

Der feine Grad, nicht ins Kraftlos-Ungenaue zu geraten, gelingt bei Brittens viersätziger „Simple Sinfonie“ von 1934 nicht immer. Manche Pianostellen, etwa im zweiten oder dritten Satz, wirken zu lasch und im Tempo etwas schleppend. Schön aber das Crescendo und die dick aufgetragene Rührseligkeit bei der „Sentimental Saraband“ sowie das Lebhafte in den Außensätzen. Beim zweiten Satz ruhen alle Bögen, wird dieser doch nur gezupft. Im Ohr bleiben vor allem die kraftvollen Cello-Pizzikati – und das erneut ganz andere Gesamtklangbild. Eine Bachstunde, die Lust auf mehr macht.

Die Bachstunden finden jeweils mittwochs um 19 Uhr in der Pforzheimer Stadtkirche statt. Der Eintritt ist frei. 2. Bachstunde am 17.Mai: „Chormusik aus vier Jahrhunderten“ mit dem Motettenchor Pforzheim unter der Leitung von Kord Michaelis: Werke von Schütz, Bach Mendelssohn und anderen. 3. Bachstunde am 24.Mai: „Romantische Lieder“ mit der Jugendkantorei Pforzheim unter der Leitung von Heike Hastedt. Werke von Mozart, Schupmann, Schubert und anderen. 4. Bachstunde am 31.Mai: „Jazz zum Lutherjahr“. Werke von Georgii und anderen. 5. Bachstunde am 7. Juni: „Klavier-Rezital“ mit Alexander Szabo am Klavier. Werke von Bach, Beethoven, Brahms und Liszt. 6. Bachstunde am 14. Juni: „Violoncello und Klavier“ mit Barbara Noeldeke (Cello) und Evelin Grizfeld (Klavier). Werke von Beethoven und Mendelsohn. 7. Bachstunde am 21. Juni: „BlechBläserMusik“ mit dem Pforzheimer Bläserensemble. Werke von Pezelius, Schneider, Speer und anderen.