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Die Lennons sind auch nach dreieinhalb Jahrzehnten immer noch als Punk-Band unterwegs. Foto: Privat
Die Lennons sind auch nach dreieinhalb Jahrzehnten immer noch als Punk-Band unterwegs. Foto: Privat
Die Band Joe Kurt spielte erstmals im September 1976 im Haus der Jugend. Sie hat Wurzeln in Niefern, wo so etwas wie die Keimzelle des Punk im Enzkreis gewesen sein soll. Foto: Privat
Die Band Joe Kurt spielte erstmals im September 1976 im Haus der Jugend. Sie hat Wurzeln in Niefern, wo so etwas wie die Keimzelle des Punk im Enzkreis gewesen sein soll. Foto: Privat
22.12.2017

„Ekstatische Momente für die Ewigkeit“: Pforzheim und der Punk

Im PZ-Interview mit Simon Steiner nach der Ausstellung über Punk in Stuttgart hat sich PZ-Redakteur Michael Müller mit dem Historiker über die hiesige Szene und das Punk-Lebensgefühl – damals wie heute – unterhalten.

In ihrem 36. Jahr sind die Pforzheimer „Lennons“ eine der dienstältesten deutschen Punk-Rock-Bands. Frontmann Michael Hermann (Jahrgang 1961) sieht sich von der englischen Punkmusik ab 1976 beeinflusst. „Die jungen Punks meiner Generation konnte man im Schlauch, im Größenwahn oder in der Gothic-Disco Skandal antreffen“, erinnert er sich. Das besondere an der Szene in Pforzheim war aus seiner Sicht, dass es sich um junge Leute aus allen gesellschaftlichen Schichten handelte, die auf der Suche nach Spaß und Rebellion gegen das Spießbürgertum unterwegs waren. Wobei politische oder Antifa-Bands eher selten waren. Am 25. Dezember werden die Lennons mit der ebenfalls in Würde gealterten Metal-Gruppe Mass Mind Breeding ab 21 Uhr im Sakrema an der Westlichen 350 zum traditionellen Weihnachtspogo aufspielen. Die Punkszene im Enzkreis habe sich früher formiert als in Pforzheim. „Die Band Joe Kurt spielte erstmals im September 1976 im Haus der Jugend“, erinnert sich Thomas Schwerda. Er war Mitgründer und später auch in nachfolgenden Projekten wie Moloko Plus oder Deutsch Nepal aktiv. Schwerda ist Nieferner, er hält den Ort für so etwas wie die Keimzelle des Punk in der Region. Der Schlauch, die Rumpelkammer und das Jugendzentrum Ellmendingen seien die Treffpunkte gewesen.

PZ: Was waren damals die Treffpunkte und Bands der Punk-Szene?

Simon Steiner: Herausragend waren das Juze Winnenden ab 1978 um die frühe Punkrock-Band Normahl, die Jugendhäuser und Kneipen in all den Städten, die auf -ingen enden. Auch der Nordschwarzwald barg seine Perlen: Co-Mix aus Altensteig, Z.S.K.A. aus Wildberg, Frauen und Technik aus Herrenberg oder all die Bands aus Pforzheim. Die Lennons nahmen im unabhängigen Stuttgarter Tonstudio Mannschreck auf. Geprobt wurde in den Kellern oder Garagen der Eltern, in kirchlichen Gemeindezentren, in Schulen oder auch beim heimischen Musikverein. So einfach war es also nicht, sich der bürgerlichen Welt zu entziehen.

PZ: Beschreiben Sie mal das Besondere der Pforzheimer Szene.

Simon Steiner: Vater der Bewegung war Joe Kurt, eine Band, die sich bereits 1976 für neue Klänge öffnete. Das Besondere ist für mich die musikalische Attraktivität und Vielfältigkeit. Was ich auf dem zur Ausstellung im Jahr 2008 erschienenen Sampler „Punk in Pforzheim“ höre, finde ich überragend. Diese Doppel-CD läuft seit Jahren in meinem Auto. Viele Bands aus Stuttgarts Umgebung zog es nach Pforzheim, die Familie Hesselbach feierte dort ekstatische Momente für die Ewigkeit. Pforzheim steht auch heute noch als eine Hochburg süddeutscher Punk-, Wave- und Neue-Deutsche-Welle-Musik. Ich habe mich in die Stimme von Kathrine Uhland verliebt: burschikos, deftiger Punk. Sie sang bei Rhythmus Radikal. Der Sampler ist genial, weil er alle Stile – Avantgarde, Dada, ironische Hörspielelemente, Rock, Punk, Wave – in einer kurzen Zeit verdeutlicht. Die Hippies entwickelten sich weiter, junge Typen sprangen auf den Punk/Wave-Zug auf. Und das alles in einer Stadt. Hut ab!

Das ganze Interview lesen Sie als PZ-news-Plus-Abonnent auf der Plus-Artikel-Übersichtsseite. oder am 23. Dezember in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.