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Nach Wirren darf Elvira (Ana Durlovski) Arturo (Edgar Rocha) heiraten. Foto: Schaefer
Nach Wirren darf Elvira (Ana Durlovski) Arturo (Edgar Rocha) heiraten. Foto: Schaefer
14.07.2016

Elvira im Puppenheim: Oper „I puritani“ feiert in Stuttgart Premiere

Stuttgart. Gebt mir die Hoffnung wieder, oder lasst mich sterben!“ Elvira, die Tochter des puritanischen Generalgouverneurs, ist in ihrem Freiheitswillen so kompromisslos wie dessen Sippschaft bei der Verbannung all dessen aus dem Leben, was dieses angenehm, schön und süß macht: Bilder, Theater – und so sinnliche Musik wie die von Vincenzo Bellini. Dessen letzte, 1835 uraufgeführte Oper „I puritani“ (Die Puritaner) feierte jetzt eine umjubelte Stuttgart-Premiere.

Das Stück spielt im bürgerkriegsgeplagten England des 17. Jahrhunderts. Elvira soll eigentlich, dem väterlichen Willen folgend, in der von den Stuart-Truppen belagerten Fluchtburg eine Ehe mit dem Puritaner-Oberst Riccardo eingehen, kann dann aber doch ihren geliebten Arturo heiraten. Der ist freilich Stuart-Anhänger und nutzt die Gelegenheit, die gefangen gehaltene Königswitwe zu befreien. Elvira fühlt sich hintergangen und verfällt dem Wahnsinn.

Brillante Momentaufnahmen

In der Inszenierung von Intendant Jossi Wieler und Chefdramaturg Sergio Morabito sind die Puritaner ein rigides, lustfeindliches Kollektiv, das in einem bildergestürmten Kirchenraum (Bühne: Anna Viebrock) bei seinen religiösen Reinigungsritualen einen bizarren Schütteltanz veranstaltet, wie ihn einst die Sekte der Shaker praktizierte. Den beiden Regisseuren gelingen brillante Momentaufnahmen: Elviras Märchenprinz Arturo ist ein Disney-Ritter in roter Pluderhose, ihr Onkel Giorgio hält nicht nur als Puppenspieler, sondern als Strippenzieher bei Elviras geplanter Befreiung aus der verklemmten Kommune die Fäden in der Hand. Das misslingt am Ende freilich gründlich, aus der puritanischen Zwangsgemeinschaft gibt es kein Entkommen. Elvira hockt in einem Puppenschloss, als ihr Geliebter Arturo erblindet von seiner Mission heimkehrt.

Wunderbar transparent

Nicht nur szenisch, auch sängerisch ist diese Neuproduktion eine Wucht. Ana Durlovski segelt mit nachtwandlerischer Koloraturensicherheit durch Elviras (Alb)-Traumwelten, Diana Haller glänzt mit grandiosem Mezzosopran als Königswitwe Enrichetta. Der Tenor Edgardo Rocha als ihr Befreier Lord Arturo ist auch vokal ein echter Belcanto-Kavalier, Bassbariton Adam Palka überzeugt in Spiel wie Gesang als Giorgio, lediglich Gezim Myshketa hat als Riccardo mit Intonationsproblemen zu kämpfen. Das Stuttgarter Staatsorchester unter der Leitung von Giuliano Carella spielt wunderbar transparent, das dramatische Brio wird rhythmisch prägnant herausgearbeitet, die jenseitsseligen Melodiebögen werden mit delikaten Klangfarben ausgekostet.