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Kann bei der Preisverleihung nicht anwesend sein: Wolfgang Rihm. Foto: AG
Kann bei der Preisverleihung nicht anwesend sein: Wolfgang Rihm. Foto: AG
14.07.2017

Entdeckungsreise zur Kirchenmusik: SWDKO gestaltet Preisträgerkonzert für Wolfgang Rihm beim Festival

Schwäbisch Gmünd. Unter dem Motto „In Raum und Zeit“ hat gestern das 29. Festival Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd begonnen. In diesem Jahr versprechen die Veranstalter eine „Entdeckungsreise“: Kirchenmusik-Ensembles aus zahlreichen Ländern Europas, von Portugal bis Estland, sind bis zum 6. August in der schwäbischen Stadt zu Gast. Zu den Höhepunkten der 44 Veranstaltungen zählen ein Konzert mit dem Bachchor Stuttgart, Mozarts „Requiem“ mit den SWR-Ensembles und eine Jazz-Nacht.

Morgen wird dem Karlsruher Komponisten Wolfgang Rihm (65) der diesjährige Preis der Europäischen Kirchenmusik verliehen. Damit werden seine „großen Verdienste um die Komposition und Lehre zeitgenössischer Musik sowie sein besonderes Schaffen im Horizont Geistlicher Musik“ geehrt, wie die Stadt Schwäbisch Gmünd erklärte. Sie vergibt den mit 5000 Euro dotierten Preis zum 19. Mal. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim gestaltet zusammen mit dem Bachchor Stuttgart unter der Leitung von Jörg-Hannes Hahn das Preisverleihungskonzert.

Wolfgang Rihm schuf in jüngerer Zeit große, persönlich engagierte geistliche Werke. Im Konzertprogramm finden deshalb Verse von Nelly Sachs („Memoria“) ebenso emotionalen Ausdruck wie die gemeißelte Kraft des Orgelklangs (Toccata, Fuge und Postludium) und die raumgreifenden und gleichzeitig intimen Reflexionen über Gottes Wirken in der Zeit („Maximum est unum“). Das Konzert präsentiert diesen Kosmos, zusammen mit Mozarts empfindsamem Kyrie d-Moll, KV 341 und der jubilierenden Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, BWV 51. Die Laudatio auf Rihm hält Hans-Peter Jahn vom SWR.

Der Komponist hat allerdings aufgrund einer schweren Erkrankung kurzfristig seinen Besuch beim Festival abgesagt. Er bedauere es sehr, am Samstag weder um 15 Uhr am Musikforum im Kulturzentrum Prediger noch um 20 Uhr am Konzert mit anschließender Preisverleihung im Heilig-Kreuz-Münster teilnehmen zu können. Beide Veranstaltungen finden wie angekündigt statt. Das Künstlergespräch um 18.30 Uhr im Kulturzentrum Prediger muss jedoch entfallen.

Wolfgang Rihm gilt weltweit als einer der angesehensten Gegenwartskomponisten. Sein Werkverzeichnis listet mehr als 400 Werke auf. Sie reichen vom nur wenige Sekunden langen Klavierwalzer bis zum fast zweistündigen Monsterballett für großes Orchester „Tutuguri“. Rihm beliefert regelmäßig internationale Opernhäuser; Uraufführungen seiner Werke sind international begehrt. „Sein Aufgreifen spiritueller Texte verbindet Wort und Ton zu einer überzeugenden Einheit, die stets den Menschen im Blick hat, wesentliche Fragen reflektiert und emotional ergreift“, erklärte die Festivalleitung.

Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem Peter Schreier, Krzysztof Penderecki, Arvo Pärt, Hellmuth Rilling und Sofia Gubaidulina.