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Andreas Rebers rüttelt auf.  Foto: Frommer 

Entlarvende Bestandsanalyse: „Ich helfe gern“ von Andreas Rebers im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Alleine mit der Kraft seiner Worte – ohne Trara und Bombast – erreicht Andreas Rebers sein Publikum. Ganz direkt und aktuell. Im Osterfeld wählt er am Freitagabend ein bekanntes Sprichwort als Einstieg: „Wenn du lang genug an einem Fluss sitzt, wird irgendwann die Leiche deines Todfeinds vorbeitreiben“. Nahtlos fügt er an: „Jetzt sitzt der Merz da – und die Merkel kommt nicht.“ Sofort reagiert das Pforzheimer Publikum mit kraftvollem Applaus.

Das griffige Bild vom am Flusslauf ausharrenden Friedrich Merz wird Andreas Rebers (60) später wieder aufgreifen, beispielsweise mit einem giftigen Mix aus der scheinbar harmlosen Frage: „Vielleicht sitzt der Merz auch am falschen Fluss“, und dem vernichtenden Statement: „Wer diese Annegret Kramp-Karrenbauer bloß erfunden hat – das ist doch was von Loriot.“

Doch Rebers ist kein unterhaltsamer Clown, er rüttelt auf, hält dem Hier und Jetzt gnadenlos den Spiegel vor. Beispielsweise beim Blick auf fettleibige Kinder: „Früher gab es in der Klasse ein dickes Kind. Da waren die Eltern Unternehmer. Die hatten ne Fabrik. Da waren die Eltern dick – und das Kind war auch dick. Und die anderen Kinder waren dünn, weil die Eltern auch dünn waren, weil die haben in dieser Fabrik gearbeitet.“ Den Vergleich zu heute zeichnet er so: „Die Kinder der Unternehmer und unserer geistigen Eliten, die sind dünn. Die machen Faszien-Training, Joga und bekommen einen Smoothie. Und der Rest der Klasse ist dick und fett. Die Kinder der Arbeiterklasse werden immer dicker. Warum? Irgendjemand muss doch diese amerikanische Weizenpampe, diese Burger mit Soßenmist fressen.“

Andreas Rebers arbeitet auf der Bühne mit dem versierten Geschick eines fundierten Meisters der verbal-satirischen Fallgrube. Dabei wechselt er in Sprache und Tonfall ansatz- und scheinbar auch mühelos zwischen „wohlstandsverwahrlosten Doofmüttern der integrativen Murmeltiergruppe“, zwischen radikalen „Gretisten“, Ben Becker, Herbert Grönemeyer und Adolf Hitler. Mitten in den donnernden Applaus im Osterfeld haut er Sätze raus wie: „Bei Gesine Schwan habe ich immer den Eindruck, oben in ihrem Vogelnest brütet die Beatrix von Storch.“

Seinem satirischen Generalangriff entgeht niemand: Weder das „Erdmännchen“ Heiko Maas, die „Kosmetikberaterin“ von der Leyen oder die Hisbollah noch „das Arschloch Erdogan“ oder Caren Miosga „im Uterus-Bühnenbild der ARD“. Spitz gerät auch sein Kommentar: „Alle Religionen haben eine Verabredung mit der Apokalypse, mit dem Weltuntergang“. Und eine seiner drei lautstark und lang gefeierten Zugaben sind Ratschläge für „Widerstandsformen, die nicht von Algorithmen erkannt werden“.