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Neu im Schauspielensemble sind (von links) Artur Molin, Kai Friebus, David Meyer, Johanna Serenity Miller und Timon Schleheck – der Coronabstand wirkt auf dem Foto perspektivisch verkürzt.  Foto: 

Entspannt in gut gelaunter Runde: Mitglieder des Schauspielensembles Pforzheim stellen sich mit einer Lesung aus ihren Lieblingsbüchern vor

Pforzheim. In lockerer, völlig entspannter und unterhaltsamer Runde stellten sich in der Reihe „Blauer Salon“ fünf neue Mitglieder des Schauspielensembles Pforzheim mit einer Lesung aus ihren Lieblingsbüchern vor. Wie Schauspielleiter Markus Löchner erzählte, haben sich die fünf gegen 100 bis 120 Mitbewerber überzeugend durchgesetzt.

Das weckte natürlich Erwartungen, die an diesem ersten Abend mehr als erfüllt wurden. Locker plaudernd stellten die fünf sich und die von ihnen ausgewählten Texte vor und diskutierten angeregt untereinander und mit dem Publikum. Chefdramaturg Peter Oppermann bescheinigte ihnen anerkennend beachtenswerte Moderatorenfähigkeiten.

Die einzige Frau in der Runde war die Deutsch-Amerikanerin Johanna Serenity Miller, die beim Vorsprechen – so Löchner – eine umwerfende Luise Miller aus Schillers „Kabale und Liebe“ gegeben hatte. Sie interpretierte mitreißend das sprachlich skurrile Gedicht „Zipperlacke“ (Jabberwocky) aus Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“.

Kultur

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Als „Mann für’s Brachiale und damit mein Nachfolger“ (Originalton Löchner) hatte sich der humorvolle, gut gelaunte Timon Schleheck gegen seinen älteren Bruder durchgesetzt. Dass er Sinn für tiefgründige Philosophie hat, zeigte seine Textauswahl: Thomas Bauers „Die Vereindeutigung der Welt: Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt“ befasst sich mit der Fähigkeit, Multikulturalität und Vielfalt in allen Erscheinungsformen zu ertragen.

Der aus Oberschlesien gebürtige und im Westerwald aufgewachsene Artur Molin ist Schauspieler mit Musicalausbildung, ein wertvolles „Gesamtpaket“ (Löchner). Er hatte „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky mitgebracht, die ein liebevolles und eigenwilliges Porträt eines Dorfes im Westerwald zeichnet.

Seine russischen Wurzeln und seine Vorliebe für Anton Tschechow kamen dem in Hamburg aufgewachsenen Kai Friebus beim Vorsprechen zugute. Und eine Tschechow-Erzählung las er auch vor: „Der dumme Franzose“, der sich über die russischen Essgewohnheiten alteriert, übersetzt von seinem Patenonkel, einem studierten Slawisten.

David Meyer vom Niederrhein mit Wahlheimat Köln war die letzten drei Jahre in Bruchsal engagiert. Von einem fiktiven Zusammentreffen zwischen dem Philosophen Friedrich Nietzsche und dem Psychoanalysten Joseph Breuer handelt der Roman „Und Nietzsche weinte“ von Irvin D. Yalom, den er vorstellte. Viel Beifall im gut besuchten Foyer.