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Vanessa Dietrich hielt 2011 die Nachbildung einer Herkules-Statue in ihren Händen. Vorsitzende Elvira Knothe (rechts) freute sich damals über die kostbare Neuerung mit Vanessas Schwester Verena (hinten) und Friedrich Morschek.Foto: Dietrich
Vanessa Dietrich hielt 2011 die Nachbildung einer Herkules-Statue in ihren Händen. Vorsitzende Elvira Knothe (rechts) freute sich damals über die kostbare Neuerung mit Vanessas Schwester Verena (hinten) und Friedrich Morschek.Foto: Dietrich
14.06.2019

Enttäuschung in Nußbaum: Vermeintlich 1798 gefundene Herkules-Statuette ist verwechselt worden

Neulingen. Überraschung für den Vorstand des Heimatvereins: Aus dritter Hand erfuhr er, dass eine im Heimatmuseum Nußbaum stehende Nachbildung einer Herkules-Plastik nicht der 1789 in Nußbaum gefundenen entspricht, sondern eine angeblich in Zazenhausen bei Cannstatt entdeckte Figur aus der Renaissance ist. „Unsere Herkules-Statuette befindet sich jedoch tatsächlich im Landesmuseum in Stuttgart. Diese Verwechslung ist sicherlich schon vor einigen, vielleicht hundert Jahren geschehen“, teilt die Vorsitzende Elvira Knothe mit. Sie habe bereits mit dem Württembergischen Landesmuseum Kontakt aufgenommen, um den Sachverhalt zu klären.

Mit einer Öffnung des Heimatmuseums am Sonntag, 30. Oktober 2011, war die Herkules-Nachbildung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und wurde zum Blickfang der Besucher. Die Entdeckung derselben im Jahre 1789 ist dem Nußbaumer Bürger, Bauer und Tagelöhner Jacob Gauß zu verdanken. Beim Einebnen seiner Feldgüter stieß der damals 30-jährige Mann auf Überreste früherer Gebäude, vor allem auf Fundamentmauern, bei denen er zunächst an die dortige Existenz eines mittelalterlichen Schlosses dachte. Auch eine kleine Münze, metallene lange Nadeln, Scherben, beschriftete Gefäße traten zutage. Unwissend zerschlug er zwei zerbrochene Säulen vollends, um sie für Bodenplatten zu verwenden. Beim Herausbrechen der steinernen Säulen fand er eine metallene 28,5 Zentimeter hohe Figur, die den griechischen Sagenheld „Herakles“ (lateinisch „Hercules“ oder auch „Herkules“) mit Löwenhaut und Keule darstellt.

Daraus ging hervor, dass jene Überreste aus römischer Zeit herrührten, was durch einen Fund aus einem benachbarten Anwesen bestätigt wurde. Die Römer siedelten in der Zeit von 58 bis 250 nach Christus auf Nußbaumer Gemarkung in einem großen Gutshof. Demzufolge fand Georg Wetzel eine Kupfermünze mittlerer Größe, ihrer Inschrift gemäß aus der Zeit des Kaisers Domitian stammend, dessen Regentschaft von 81 bis 96 nach Christus währte. Durch die Stürme der Völkerwanderung wurde alles vernichtet, was an damaligen Bauten vorhanden war. So auch die bei Nußbaum gelegene römische Siedlung. Pflichtbewusst brachte Gauß seine Fundgegenstände nach Derdingen ins für Nußbaum zuständige Oberamt.

Der Amtmann sandte ihn damit nach Stuttgart – Nußbaum war bis 1806 württembergisch. In jenem Jahr kam es im Zuge der „Napoleonischen Flurbereinigung“ an Baden, welches von der Markgrafschaft zum Großherzogtum aufgestiegen war.

Aufgrund der Bitte des Amtmanns an die Regierung, es möge dem Überbringer wegen seiner großen Armut ein Gratiale (Gnadengabe) überreicht werden, erhielt Gauß zwei Karolinen. Ein Karolin war eine Geldmünze im Wert von etwa 20 Mark. Zur Zeit des Herzogs Karl in Württemberg war dies für einen armen Mann wie Gauß, der zu Fuß nach Stuttgart und wieder zurücklief, viel Geld.

ZUR PERSON

Jacob Gauß wurde am 17. Juli 1758 in Nußbaum geboren. Große Armut hatte Gauß dazu getrieben, die bis dahin im Gewann „Bei der Schlossmauer“ liegenden Felder zu bearbeiten. Seit Jahren hatte er es vor sich hergeschoben und 1789 wohl keine andere Wahl mehr gehabt. Ob es an der Armut lag, dass er erst fast 39-jährig heiratete, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass seine Angetraute die Tochter des Kaufmanns und Webers Georg Philipp Kraußin war. Wie jedoch Gauß seine Catharine Barbara kennenlernte, ist nicht überliefert. Sie war am Tage der Eheschließung am 27. Juni 1797 in Freudenstein gerade erst 18 Jahre alt. Gauß starb am 8. Mai 1833 im Alter von fast 75 Jahren in Nußbaum.