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Gekonnt entführt die Schauspielerin Iris Beiser in die Gedankenwelt Hermann Hesses. Foto: Roller
Gekonnt entführt die Schauspielerin Iris Beiser in die Gedankenwelt Hermann Hesses. Foto: Roller
11.09.2017

„Entweder ein Dichter oder gar nichts“: Iris Beiser liest aus Erzählungen Hermann Hesses

Ein vereister Fluss, ein langer, kalter Winter und ein Junge, der beim Schlittschuhlaufen mit einem Mädchen das erste Verliebtsein spürt: ein Gefühl von „Glück, Scham, Wärme, Lust und Verlegenheit“. Es ist der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden, das Hermann Hesse in „Der Kavalier auf dem Eise“ beschreibt.

Wie kaum ein anderer hat der in Calw geborene Dichter immer wieder seine eigene Kinder- und Jugendzeit als Inspiration für sein literarisches Schaffen genutzt. In der Pforzheimer Stadtbibliothek liest die Schauspielerin Iris Beiser aus den Erzählungen Hesses vor, die innerste Gedanken reflektieren und nicht selten von den emotionalen Unsicherheiten handeln, mit denen Heranwachsende zu kämpfen haben.

Hesses Jugend ist voll von Konflikten, vor allem mit seinen Eltern. Nachdem er 1891 das württembergische Landesexamen bestanden hat, soll er Pfarrer werden. Aber das will der rebellische Jugendliche nicht. Er will „entweder ein Dichter oder gar nichts“ werden. Mit 15 Jahren versucht er, sich mit einem Revolver das Leben zu nehmen. Es gelingt ihm nicht. Er beginnt eine Lehre zum Mechaniker, dann eine zum Buchhändler.

Seine Erzählung „Das erste Abenteuer“ scheint auf diese Zeit anzuspielen. Sie handelt von einem Lehrling in einer Maschinenschlosserei. Eine Erzählung, in der ein 18-Jähriger von einer eleganten Dame verführt wird – fast, denn bis zum Äußersten kommt es nicht: Aus Unsicherheit verlässt der junge Mann die attraktive Dame, bereut es später und braucht lange, bis er sich gedanklich wieder von ihr losreißen kann.

Beiser weiß genau, wie sie die Texte vortragen muss: Wann sie im Plauderton erzählen kann und wann die Geschichte mit ernster Stimme geschildert werden muss. So wird ein Nachvollziehen der geschilderten Umstände möglich. Dazwischen zeichnet sie die wichtigsten Stationen in Hesses Leben nach. Ein Leben, das nicht immer einfach war. Sein Aufsatz „O Freunde, nicht diese Töne“ bringt ihm 1914 Hassbriefe und den Verlust vieler Freunde ein, 1916 stirbt sein Vater, sein Sohn Martin erkrankt schwer und seine Ehe mit Maria Bernoulli beginnt, in die Brüche zu gehen. Seit 1895 lebt der spätere Nobelpreisträger nicht mehr in Calw. Dennoch taucht die Stadt seiner Kindheit und Jugend in seinen literarischen Werken immer wieder auf. So auch in „Die Verlobung“, in der eine Wanderung nach Zavelstein zur Burgruine beschrieben wird. Den Rahmen der Erzählung bildet eine Liebesgeschichte. Mit ihr beendet Beiser ihre Lesung und erhält viel Applaus.