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Peter Prange, Autor des Bestsellers „Unsere wunderbaren Jahre“, liest vor einem kleinen Publikum im Südstadt-Wohnzimmer von Heike Reisner-Baral und Gerhard Baral. Foto: Seibel
Peter Prange, Autor des Bestsellers „Unsere wunderbaren Jahre“, liest vor einem kleinen Publikum im Südstadt-Wohnzimmer von Heike Reisner-Baral und Gerhard Baral. Foto: Seibel
12.03.2018

Erfolgsautor Peter Prange liest in Pforzheimer Wohnzimmer

Pforzheim. Wie sich eine Schreibblockade anfühlt, das weiß der Erfolgsautor Peter Prange nur zu gut. „Mit Angstschweiß“ im Gesicht schleppt er sich dann zum Schreibtisch, wo das leere Blatt Papier auf ihn wartet, um bis zum Abend dann doch wieder keine brauchbare Zeile zu Papier zu bringen. Ganz anders bei seinem Bestseller „Unsere wunderbaren Jahre“. „Ich habe geschrieben wie in einem Rausch, sieben Tage die Woche“, bekennt der Schriftsteller vor einem illustren kleinen Publikum in Pforzheim.

Rund 20 Gäste sitzen im gemütlichen Wohnzimmer von Pfarrerin Heike Reisner-Baral und dem Goldstadt-Jubiläumskoordinator Gerhard Baral. Sie kleben förmlich an den Lippen des Autoren, der an dem Abend aus Tübingen gekommen ist, um bei einer sogenannten Wohnzimmerlesung im privaten Kreis aufzutreten. Er bekommt kein Honorar, er liest gegen eine Spende für die Hilfsorganisation „DocMobile Medical Help“ (www.autorenhelfen.org), die sich unter anderem um Flüchtlinge in Griechenland und Bedürftige in Bangladesch kümmert.

„Ein deutsches Märchen“ ist das jüngste Werk von Peter Prange, 2016 erschienen, untertitelt. Alles andere als märchenhaft erscheint die Erzählung aber vor dem Hintergrund der großen historischen Faktentreue und persönlichen Erlebnisse. In dem Roman schildert der 62-Jährige das Schicksal mehrerer junger Leute und derer Familien zwischen der Währungsreform 1948 nach dem Krieg und der Einführung des Euro 2002. Dazwischen liegen die Jahre des Wirtschaftswunders, der Sechziger und Siebziger und schließlich der Wiedervereinigung, die ihrerseits eine Währungsunion mit sich bringt.

40 D-Mark erhielt jeder Deutsche kurz vor Beginn der 1950er- Jahre, ein Eintrittsgeld in eine neue Welt. Was werden wohl Benno, Bernd und Tommy, Ulla, Ruth und Gundel damit anfangen? Über drei Generation wird der Weg der sechs Freunde verfolgt, entlang der Geschichte der Bundesrepu-blik. An diesem Abend sind es – mehr als die Lesepassagen aus dem Buch, die Prange lebhaft und dynamisch vorträgt – die persönlichen Schilderungen von Erlebnissen und Momenten, die dem Publikum ein intimes Gefühl von Exklusivität geben.

Studien aus der Jugendzeit

Die Geschichte spielt in Altena, einer in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpften kleinen Stadt zwischen Sauerland und Ruhrgebiet, die einst von der Stahlindustrie gelebt hat. „Ich musste nichts erfinden, ich kenne alle dort“, sagt Prange, und lässt in seinem Buch Charaktere entstehen, die sich an real erlebten Vorbildern orientieren. Die ersten Feldstudien dazu hat er schon als Jugendlicher angestellt. Mit seinem Vater, der einen Bettenhandel betrieb, bei der Auslieferung der Ware: „Sie glauben gar nicht, wie Menschen sich öffnen, wenn man in deren Schlafzimmern steht.“

Am Abend in Pforzheim liest Prange Passagen aus den ersten Kapiteln des Buches, führt die Protagonisten ein bis zur liebevoll-skurrilen Schilderung der Altenaer Schützenfest-Tradition. Die Heimatstadt des Autors, deren Menschen und Eigenarten rücken in der Geschichte so nachhaltig in den Vordergrund, dass sich Baral von Prange ein Buch über die Goldstadt wünscht: „Das könnte auch Pforzheim gut gebrauchen.“

Auch wenn dieser Wunsch nicht umgehend zu erfüllen sein wird, eine Neuauflage der Wohnzimmerlesung kann sich Baral gut vorstellen, „ein bis zweimal im Jahr vielleicht.“