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Im stimmungsvollen Halbdunkel der Stadtkirche kann das Bachorchester unter Kord Michaelis mit einfühlsamen Musikstücken punkten.  Seibel
Im stimmungsvollen Halbdunkel der Stadtkirche kann das Bachorchester unter Kord Michaelis mit einfühlsamen Musikstücken punkten. Seibel
08.02.2016

Ergreifendes Lichterkonzert des Bachorchesters in der Stadtkirche Pforzheim

Tschaikowsky hat wundersam schwermütige Melodien komponiert. Zum Beispiel solche wie die sanft wiegende „Barkarole“ aus dem „Jahreszeiten“-Zyklus op. 37, die am Ende des gut besuchten Lichterkonzertes in der Stadtkirche Pforzheim noch einmal in ihrer ganzen Intensität erklingt.

Dass aber der zeitgenössische Komponist, Geiger und Kontrabassist Peteris Vasks aus Lettland zu einer ausgesprochen dezenten Melodik voller Empfindsamkeit und Ehrfurcht fähig ist, ist hierzulande weniger bekannt. Seine einsätzige Fantasie für Violine und Streichorchester „Vox amoris“ (Stimme der Liebe) von 2009 strahlt eine große, religiöse Ruhe aus – und passt nur ansatzweise in das Schema typisch zeitgenössischer Experimentierkunst.

Inniger Ausdruck

Kord Michaelis, der das Bachorchester Pforzheim an diesem Abend dirigiert, wartet, bis absolute Stille einkehrt. Er lässt die Streicher dann mit hauchzartem Tremolo beginnen. Darüber erhebt sich die Solovioline, einfühlsam, graziös – und melancholisch. Gerd-Uwe Klein, seit zehn Jahren Konzertmeister des Bachorchesters, füllt den Solopart mit innigem und gleichzeitig zurückhaltendem Ausdruck aus, der berührt und nachdenklich macht.

Sein Legato wirkt wie ein endlos langer Strich ohne jegliche Akzente. So entfaltet er zur sanften Orchesterbegleitung eine ausgedehnte Melodie, die im Mittelteil dramatische Züge erhält, am Schluss aber zurückfindet zur andachtsvollen Zartheit. „Ich glaube, dass eine Solovioline und ein Streichorchester die beste Kombination für eine Liebesgeschichte ist“, hatte der Komponist laut Programmheft zu seinem Werk gesagt. Das haben die Pforzheimer Musiker verinnerlicht und in bestem Sinne zur Geltung gebracht.

Die Atmosphäre leidet

Gut in diese besinnliche Stimmung passt Tschaikowskys Suite aus den „Jahreszeiten“ op. 37, die ursprünglich als zwölfteiliger Klavierzyklus erschien und in der Stadtkirche in einer Satzauswahl und Instrumentation von Wolfgang Hofmann zu hören ist. Schade nur, dass die Teelicht-Atmosphäre gegen normales Raumlicht getauscht wurde, um die zugeordneten Gedichte lesen zu können. So erklingt beispielsweise das traurig anmutende „Lied der Lerche“ (März) oder das ähnlich schwermelodische „Schneeglöckchen“ (April). Doch auch lebhafte Rhythmen werden laut, etwa im Dialog der hellen und tiefen Streicher beim „Karneval“ (Februar) oder beim schmetternd-druckvollen „Jagdlied“ (September). Damit schlägt das Bachorchester den Bogen zum Konzertauftakt, bei dem Mozarts Divertimento D-Dur KV 251 mit heiter-schwungvollem Elan präsentiert wurde.

Mit von der Partie sind dabei eine akzentreiche Oboe (Julia Ströbel-Bänsch) und ein Hörnerpaar (Joachim Bänsch und Katarina Förster), die sich nicht nur im schnellen Kopfsatz behaupten, sondern auch im ersten Menuett. Denn hier spielen die Hörner die klangvolle Rolle, die Streicher immer wieder aus ihrer Lethargie zu holen. Viel Applaus für ein beeindruckendes Konzert.