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Jörg Bruckschen, Regina Fischer und Claus Kuge (von links) widmeten sich Revolutionären wie Rosa Luxemburg. Frommer

Erinnerung an beispiellosen Akt von Barbarei: Literatur-Soiree „Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ in der Stadtbibliothek

Pforzheim. Wehret den Anfängen: Mit diesem Credo und der Soiree „Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ erinnert die „Löbliche Singergesellschaft“ alljährlich am 10. Mai an die von der „Deutschen Studentenschaft“ im Jahr 1933 allerorten organisierten Scheiterhaufen der Literatur.

Diesen beispiellosen Akt nationalistisch befeuerter Barbarei beleuchteten Obermeister Claus Kuge, die Kunsthistorikerin Regina Fischer und der Schauspieler Jörg Bruckschen in der Stadtbibliothek – diesmal zeichneten sie auch das Leben und die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 nach.

Souverän und faktenreich

Kuge beschrieb zunächst die Bücherverbrennungen. Er machte hierbei deutlich, dass die Scheiterhaufen nicht auf deutsche Universitätsstädte beschränkt blieben, sondern Mitte Juni 1933 von der Hitlerjugend auch auf dem Pforzheimer Marktplatz aufgeschichtet und entzündet wurden. Zu den so vernichteten Büchern zählten auch die Publikationen der Führer des Spartakusbunds, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg; (beide: 1871–1919). Bruckschen las in souveräner Manier mehrere Passagen aus Texten, Briefen und flammenden pazifistischen Appellen, die Rosa Luxemburg noch als Chefredakteurin der „Roten Fahne“, der Zeitung des Spartakusbunds, aber unter Anklage oder bereits in der Haft verfasste.

Regina Fischer vermittelte den Zuhörern einen faktenreichen, detaillierten Einblick in das Leben, die Verhaftung und die Todesumstände beider Revolutionäre, die nach Ende des Ersten Weltkriegs von einer völlig verwilderten Soldateska in Berlin ermordet wurden. Sie schilderte nicht nur den 15. Januar 1919 und das skrupellose Vorgehen der Mörder – Stabsoffizier Waldemar Pabst, Oberleutnant Kurt Vogel, Husar (oder Jäger) Otto Runge, Leutnant Hermann Souchon und (bei Karl Liebknecht) Leutnant Rudolf Liepmann – sondern auch das 1962 im „Spiegel“ erschienene Interview Waldemar Papsts (1880-1970) „Ich ließ Rosa Luxemburg richten“. Der spätere Waffenhändler Papst lebte zuletzt in Düsseldorf, kam zu Wohlstand und wurde nie für seine Mordbefehle zur Rechenschaft gezogen. Er selbst wollte, so Fischer, „von Mord nichts wissen“.

Durch den Vortrag der Kunsthistorikerin wurde in Erinnerung gerufen, dass Rosa Luxemburg brutal gefoltert, erschossen und in den Landwehrkanal geworfen wurde. Ihre Leiche wurde 14 Tage später an der Tiergartenschleuse gefunden. Die Kameraden der Mörder waren deren „Richter“, Zeugen wurden beseitigt. Von den Mördern erhielt nur der „geistig verwirrte“ Otto Runge eine etwa zweijährige Haftstrafe. Abschließend unterstrich Fischer: „Rosa Luxemburgs Bücher wurden erst 2018 wieder verlegt. Von Karl Liebknechts Schriften fehlt jede Spur.