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Die erweiterte Badische Philharmonie beim vergangenen Sinfoniekonzert mit Solistin Ting-Chiao Yu unter der Leitung von Florian Erdl.  Foto: Moritz 

Erlebnisreicher „Ritt in die Prärie“: Badische Philharmonie entführt in den Wilden Westen

Pforzheim. Ein Kaleidoskop mit Bildern aus dem Wilden Westen breitete die Badische Philharmonie unter Leitung von Florian Erdl vor dem Publikum im gut besuchten CongressCentrum aus. Unter dem Titel „Ritt in die Prärie“ erklangen beim Sinfoniekonzert Film-, Programm- und erzählende sinfonische Musik.

Einen außergewöhnlichen und fordernden Solopart mit dem Englischhorn hatte die vielfach ausgezeichnete Taiwanesin Ting-Chiao Yu inne, die seit langem mit zahlreichen deutschen Orchestern spielt und seit 2009 bei der Staatskapelle Weimar unter Vertrag steht. Flotte mexikanische Mariachi-Folklore mit Peitschenklang erzeugte Gänsehautfeeling. Satter Streicherklang und strahlende Bläser machten mit der weltberühmten Titelmelodie aus dem Western „Die glorreichen Sieben“ (1960) von Elmer Bernstein (1922 bis 2004) klar, „hier kommen Sieger“. Florian Erdl hatte die kräftig aufgestockte Badische Philharmonie – darunter allein vier Mann an einem enormen Schlagwerkaufbau – straff am Zügel und ließ Pferde galoppieren und Schüsse knallen, in der ruhigeren Bridge aber auch romantische Sentenzen aufscheinen.

Die Italo-Western der 1960er- Jahre haben den zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Michael Daugherty (geboren 1954) zu seinem klassisch-modernen Werk „Spaghetti-Western“, einem Konzert für Englischhorn und Orchester, inspiriert. Das ungewöhnlich orchestrierte (zu großer Streicherbesetzung neben dem umfangreichen Schlagwerk Piano, Celesta und Harfe), stark blechbläserbetonte Stück wurde 1998 geschrieben und erlebte in Pforzheim seine Deutsche Erstaufführung. Die drei Sätze erzählen vom Komponisten vorgegebene Geschichten.

Stand in der Filmmusik das Orchester im Vordergrund, hatte Ting-Chiao Yu hier den genau definierten Part des „Man Without Name“. Das Englischhorn nimmt die Themen aus dem Orchester auf und kommentiert sie, schafft quasi eine individuelle Erlebnisebene. Im ersten Satz durchstreift der Protagonist (die Solistin) die menschenleeren Straßen einer Geisterstadt. Im zweiten Satz glitzert ein Sternenhimmel über einer unberührten Wildnis, in der hartgesottene Burschen vom Goldfund träumen. Die harschen Fahrgeräusche einer imaginären Postkutsche, unterbrechen abrupt die nächtliche Stille. Im dritten Satz schließlich entsteht die bedrohliche Stimmung von „Zwölf Uhr mittags“ – mit flirrender Sonnenhitze und abschließendem Schusswechsel. Begeisterter Beifall für die souveräne Solistin und als Zugabe ein nur scheinbar schlichtes Volkslied aus Fernost.

Anton Dvořáks Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“ gehört zu den meist gespielten Sinfonien. In die vier Sätze hat er Eindrücke aus seinem Amerika-Aufenthalt, sein unstillbares Heimweh und Reminiszenzen an die Musik der indigenen Bevölkerung einfließen lassen, alles in einem unverkennbar und für ihn typischen böhmischen Duktus. Das kraftvolle und einprägsame Hauptthema des ersten Satzes zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Sinfonie und hat sicher zu deren großem Erfolg beigetragen.

Die Badische Philharmonie, von ihrem gut gelaunten Dirigenten souverän geleitet, überzeugte mit Spielsicherheit, fein abgestuften Dynamik, und sehr beweglich gestalteten Tempi. Langanhaltender Beifall und Bravo-Rufe, besonders laut für die Posaunen, beschlossen einen ungewöhnlichen Konzertabend.