nach oben
Zusammen mit dem Johann-Strauß-Orchester Frankfurt beschließt der Tenor  Matthias Stockinger den diesjährigen Calwer Klostersommer.
Zusammen mit dem Johann-Strauß-Orchester Frankfurt beschließt der Tenor Matthias Stockinger den diesjährigen Calwer Klostersommer.
Die Zuschauer harren auch im Regen aus – und warten auf das abschließende  Feuerwerk.  Frommer
Die Zuschauer harren auch im Regen aus – und warten auf das abschließende Feuerwerk. Frommer
11.08.2015

Erst am Ende wird es trocken

Calw-Hirsau. Zunächst scheint Petrus kein Einsehen zu haben: Kurz vor Konzertbeginn öffnet der Himmel seine Schleusen. Überraschend gelassen legen die Zuschauer im nicht überdachten Innenhof des Hirsauer Klosters ihre Regenjacken an – und verharren erwartungsfroh. Eine resolute Dame, die sich, ganz vorne, unter das Bühnendach gestellt hat, bringt es schwäbisch-stoisch auf den Punkt: „Bei dem Eintrittspreis kann man nicht gehen!“

Soweit also alles im grünen Bereich – doch zumindest alle Sorgen um das filigrane Geäst der Zündschnüre des für das Konzert- und Festivalende angekündigten Abschlussfeuerwerks, als auch um die wertvollen Musikinstrumente des Johann-Strauß-Orchesters Frankfurt scheinen wegen des Regens durchaus berechtigt.

Das Orchester um den Dirigenten Stefan Ottersbach (49) beginnt das Konzert mit leichter Verspätung und leichter Muse: „There Is No Business Like Show Business“. Mit einer geradezu demonstrativ humorvollen Moderation kündigt Ottersbach die beiden ersten Solisten des Abends an – die Tenöre Matthias Stockinger (mit „Maria“ aus Leonard Bernsteins West Side Story) und Oscar de la Torre (mit „Un’ aura amorosa“ aus Mozarts Così fan tutte). Beide erhalten viel Beifall – doch Petrus beeindruckt das wenig. In der ersten Konzerthälfte hält der Technische Leiter des Klostersommers – Klaus Schränkler – noch jede Wette, dass viele die Pause nutzen würden, um den weiteren Verlauf des Abends im Trockenen zu verbringen. Veranstalter Jürgen Ott an der Kasse aber hält dagegen: „Nur acht bis zehn Zuschauer sind gegangen“, sagt er im PZ-Gespräch, „während 35 Gäste noch an der Abendkasse bereits für Kloster in Flammen 2016 gebucht haben“.

Den musikalischen Höhepunkt erlebt das Publikum gegen Konzert-Ende, beim gemeinsamen Auftritt aller fünf Tenöre. Neben Stockinger und de la Torre schmettern Rafael Cavero, Richard Wiedl und Christian Lanza – ein Enkel des berühmten Mario Lanza – Paul Ankas „My Way“ und John Kanders „New York, New York“. Zu guter Letzt, bei der Zugabe – Puccinis „Nessun Dorma“ und Händels „Feuerwerksmusik“ – belohnt sogar der alte Petrus die Ausharrenden: Konzert-Ende und das synchrone Feuerwerk werden vom Regen verschont. Aber 30 Minuten später – da bricht der Regen wieder los. Robin Daniel Frommer