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Castorfs „Walküre“ in der Ölförderanlage.  Nawrath
Castorfs „Walküre“ in der Ölförderanlage. Nawrath
30.07.2015

Erstaunlich konventionell

Bayreuth. Auch im dritten Jahr von Frank Castorfs „Ring des Nibelungen“-Inszenierung in Bayreuth fällt seine „Walküre“ aus dem Rahmen. Kaum zu glauben, dass der Regisseur, der das grellbunte Tankstellen-„Rheingold“ und den Kalaschnikow-„Siegfried“ auf dem Gewissen hat, auch für diese Produktion verantwortlich zeichnet. Der zweite Teil von Wagners Vierteiler ist in Castorfs Version, die in einer düsteren Ölförderanlage in Aserbaidschan spielt, erstaunlich konventionell geraten – daran ändern auch zwei lebende Truthähne im Käfig und eine Göttergattin Fricka mit Domina-Reitgerte nichts.

Es hat schon seinen Grund, warum die „Walküre“ die Inszenierung im Castorf-„Ring“ ist, an der das Bayreuther Publikum von Anfang an den wenigsten Anstoß nahm. Im Gegensatz zum „Rheingold“ ist im zweiten Teil zumindest nachzuvollziehen, worum es in der Wagner-Oper geht: die Geschwisterliebe zwischen Siegmund und Sieglinde und den Verstoß der dem Paar zur Hilfe eilenden Walküre Brünnhilde durch ihren Vater Wotan. Castorf hindert die Sänger nicht daran, diese Geschichte zu erzählen – und zwar so geradlinig, wie es durchaus untypisch ist für den als Werkzertrümmerer geltenden Regisseur.

Applaus gibt es dann auch für alle Sänger – von Catherine Foster als Brünnhilde und Wolfgang Koch als Wotan bis hin zu Johan Botha als Siegmund und Anja Kampe als Sieglinde.

Im kommenden Jahr wird kaum noch ein Sänger aus der Ursprungsbesetzung im „Ring“ singen, besonders bitter für viele Wagner-Fans: Dirigent Kirill Petrenko gibt die musikalische Leitung auch ab. Marek Janowski übernimmt. Nach der „Walküre“ in diesem Jahr ist Petrenko aber noch der unumstrittene Star im Ring und wird erneut begeistert gefeiert. Britta Schultejans