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Die Dürer-Bürste von Friedrich Salomon Beer steht an Eingang der Ausstellung. Foto: Karmann
Die Dürer-Bürste von Friedrich Salomon Beer steht an Eingang der Ausstellung © Karmann
01.06.2012

Erste große Dürer-Ausstellung seit 40 Jahren

Nürnberg. Da sitzt er, der 13-jährige Albrecht Dürer. Ernst und nachdenklich begrüßt er als leuchtend weiße Marmorplastik die Besucher in der Ausstellung „Der frühe Dürer“ im Germanischen Nationalmuseum.

Die erst vor zwei Jahren wiederentdeckte Plastik von Friedrich Beer ist dem ersten Selbstporträt nachempfunden, das Dürer 1484 von sich selbst gezeichnet hat. Es markiert den Beginn seines Schaffens – und bildet daher folgerichtig den Anfang der Ausstellung. Es ist die größte Dürer-Schau in Deutschland seit 40 Jahren.

120 Werke aus zwölf Ländern

120 Dürer-Werke aus zwölf Ländern sind dort bis zum 2. September versammelt. Darunter sind prachtvolle Meisterstücke wie die in intensiven Farben leuchtende „Anbetung der Könige“, die sonst in den Uffizien in Florenz hängt. Aber auch Dürers Aquarelle, seine Apokalypse-Serie oder die Konzeptkonstruktion eines Profilkopfes seien „eine Wucht“, betont Projektleiter Daniel Hess. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Werke anderer Künstler, die mit dem Schaffen Dürers korrespondieren, das Wechselspiel mit dessen Lehrern und Vorbildern auf.

Drei Jahre lang hat das Team des Germanischen Nationalmuseums (GNM) im Vorfeld der Ausstellung geforscht. Dabei dachte die Fachwelt eigentlich, zu Dürer sei alles gesagt – allein 27 Regalmeter umfasst die Bibliothek des auf Dürer spezialisierten Nationalmuseums. Doch drei Zufallsfunde erschütterten den Glauben der Nürnberger in die vorliegende Literatur. Sie fingen an, das Frühwerk bis zu Dürers zweiter Venedig-Reise 1505 noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen – mit teils überraschenden Ergebnissen. So legten die Forscher den Geniebegriff aus der Romantik ad acta und schauten sich das Umfeld Dürers aus der Perspektive um 1500 an. „Das war eine unglaublich dynamische Gesellschaftsschicht, in der Dürer aufgewachsen ist“, schildert Hess. Denn Nürnberg war zur Zeit des ausgehenden Mittelalters ein Zentrum der Avantgarde. Von seinen Nachbarn in der Burgstraße lernte Dürer gewissermaßen en passant neue, naturgetreue Maltechniken ebenso kennen wie aktuelle Geistesströmungen und Möglichkeiten, seine Kunst zu vermarkten.

Neue Dimension der Malerei

„Das Klischee, dass Dürer nach Italien reisen musste, um eine neue Kunst über die Alpen zu bringen – davon können wir uns verabschieden. Sie war längst da“, schildert Hess. Projektkoordinator Thomas Eser betont: „Wenn Dürer vermeintlich der Erfinder der Landschaftsmalerei ist, dann stimmt das nur bedingt. Er erfindet nichts neu, aber er erreicht ganz neue Qualitäten und Dimensionen in seinem Frühwerk.“

Auch andere Auffälligkeiten in Dürers Schaffen sehen die Forscher nun in einem anderen Licht. Mehr als alle anderen Künstler vor ihm hatte Dürer sich und sein privates Umfeld schon früh zum Thema seiner Werke gemacht. Bislang wurde dies meist als Schritt vom mittelalterlichen Handwerker zum freischaffenden Künstler der Renaissance gedeutet. Doch sogenannte Ego-Dokumente waren in Nürnberg schon ab etwa 1450 in Mode. Das Bürgertum hielt nicht nur in Familienchroniken wichtige Daten und Ereignisse fest, sondern wollte späteren Generationen auch Porträts der Vorfahren hinterlassen. Dürers Vater hatte sich um 1484 ebenfalls selbst verewigt.

Die erste der vier Sektionen der Ausstellung ist denn auch folgerichtig mit „Ich und mein herkumen“ überschrieben. Auf bis zu 150 000 Besucher hat sich das Nationalmuseum vorerst eingestellt; werden es mehr, bleiben die Türen abends länger geöffnet.

Dürers weltberühmtes „Selbstbildnis im Pelzrock“ um dessen Ausleihe es eine Zwist mit der Alten Pinakothek München gab, wird in der Ausstellung nur als Reproduktion gezeigt. Doch angesichts der Fülle der knapp 200 Exponate ist sich Generaldirektor Ulrich Großmann sicher: „Der Besucher wird hier nichts vermissen.“

Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr sowie mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. www.der-fruehe-duerer.gnm.de