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„Das Lumpenpack“. Foto: Roller
„Das Lumpenpack“. Foto: Roller
Bonyo holt sich die Lebkuchen. Foto: Roller
Bonyo holt sich die Lebkuchen. Foto: Roller
28.09.2017

Erster Songslam im Kulturhaus Osterfeld – Nachwuchskünstler präsentieren eigene Lieder

Pforzheim. Wer am Ende den Preis – eine Schachtel mit Zartbitter-Lebkuchen – erhält, ist eigentlich vollkommen egal. Ums Gewinnen geht es an diesem Abend im Kulturhaus Osterfeld nämlich nicht, sondern um den Spaß an der Musik. Beim ersten Songslam stehen am Dienstagabends Nachwuchskünstler auf der Bühne des Malersaals, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Max Kennel hat vollkommen Recht, wenn er den Zuhörern am Anfang verspricht: „Am Ende werden sie Ihr Herz erobert haben.“ Zusammen mit Jonas Meyer ist er „Das Lumpenpack“ und führt durch den Abend. Ein Abend, an dem allein das Publikum über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Alle haben zehn Minuten Zeit, um sich und seine Musik zu präsentieren. Als erste sind Thilo und Jonathan dran, die sich „Halbwegs Dope“ nennen und ihrem ersten Song zufolge „Musik für erfolgloses Versuchen“ machen. In ihrem zweiten Lied besingen die Studenten alles Mögliche und üben scharfe Kritik an der AfD. Die beiden sind laut, mit Wucht dringt ihre Musik samt politischer Botschaft ins Ohr. Ganz anders Binyo (Robin Brunsmeier), der fast etwas schüchtern wirkt, als er mit seinem grünen Kapuzenpullover und seiner Akustikgitarre die Bühne betritt. Er singt über Menschen, die immer wieder denselben Fehler machen und über Frodo, der ihm in scheinbar aussichtslosen Situationen deutlich macht: Es geht immer noch schlimmer. Dabei hat er ein Lächeln im Gesicht und fordert das Publikum zum Mitsingen auf: klappt eher mittelgut. Deutlich ernster geht es bei Henny Herz zu. Sie singt auf Englisch und Französisch. Ihre Stimme ist weich und warm, der Rhythmus langsam, fast schon melancholisch. Auch Bea Bacher lässt es zunächst etwas langsamer angehen. Dann singt sie ein Liebeslied auf ihren Hund: Auch wenn er Taschentücher aus dem Müll holt und im Bekleidungsgeschäft sein Revier markiert: Für sie ist er „das ganze Glück der Welt in Form von Fell“. Am Ende steht sie wortlos auf und verlässt die Bühne, ohne sich zu verabschieden.

Dann kommt Tilman Claas, der eigentlich in einer Band spielt, die sich „Lampe“ nennt. Er fragt sich, wie man glücklich wird und gelangt zu einer ähnlichen Erkenntnis wie Binyo: „Es kann immer, immer noch schlimmer kommen.“ Etwa, wenn einen die Freundin beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht betrügt. Nicht nur am Ende erhalten alle Beteiligten großen Applaus.

Das „Lumpenpack“, das Binyo schließlich etwas eigenmächtig zum Sieger ernennt, wünscht einen guten Nachhauseweg und ist nach einem Blick auf den Aufsteller der „Pforzheimer Zeitung“ sicher: „Wenn ihr morgen in die Zeitung schaut, steht da: Der Tag wird gut.“