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In neuem Format: das Lichterkonzert in der Pforzheimer Stadtkirche auf der Empore unterhalb der Orgel, wo die Kleinen mit ihren Eltern auf Sitzkissen und Stühlen sitzen und direkt auf das Bachorchester und die Solisten herabschauen. Foto: Seibel
In neuem Format: das Lichterkonzert in der Pforzheimer Stadtkirche auf der Empore unterhalb der Orgel, wo die Kleinen mit ihren Eltern auf Sitzkissen und Stühlen sitzen und direkt auf das Bachorchester und die Solisten herabschauen. Foto: Seibel
06.02.2017

Erstes Lichterkonzert für Kinder auf der Stadtkirchen-Empore

Pforzheim. Wie ein Lichterkonzert wirkt es nicht. Die Empore der Stadtkirche ist normal beleuchtet, die Kerzen werden erst beim abendlichen Sinfoniekonzert angezündet. Umso schöner die Idee, den gut 30 kleinen Besuchern am Ende der Nachmittagsstunde ein Wind- und Teelicht mitzugeben, damit sie sich zur dunklen Schlafenszeit an die schönsten Momente erinnern können. Erstmals erklingt das Lichterkonzert in neuem Format – für Kinder und Familien.

Abendliches Programm gekürzt

Dafür hat die Kantorin Heike Hastedt nicht etwa ein komplett neues Programm erstellt. Sie hat das abendliche einfach gekürzt und kindgerecht mit der selbst erdachten Geschichte „Ein geheimnisvoller Palast“ verbunden. Als Ort bietet sich kein besserer als die Empore unterhalb der Orgel an, wo die Kleinen mit ihren Eltern gemütlich auf Sitzkissen und Stühlen sitzen und direkt auf das Bachorchester und die Solisten herabschauen. Um 50 Minuten gut zuhören zu können, werden sie unsichtbar gemacht – mit bereitgelegten bunten Tüchern. Es erklingt der spannungsgeladene Anfang aus Karl Jenkins‘ erstem Satz von Palladio – und schon geht sie los, die musikalische Reise mit den Geschwistern Paula und Christoph, die sich neugierig in einem Palast mit hohen Fenstern, kostbaren Kronleuchtern und glitzernden Wänden umsehen. „Schau doch mal da“, sagt Hastedt, die Dirigentin und Erzählerin zugleich ist. Sie lässt den Satz noch mal in der Solovioline von Gerd-Uwe Klein aufleuchten. „Halt mich ganz, ganz fest“ bringt die Geigerin Martina Bürck dagegen mit langen Tönen zum Ausdruck.

So verschmilzt der musikalische Satz mit der Erzählung, sieht man zu Jenkins‘ Musik die Kinder förmlich verstecken spielen, staunen und fürchten. Von der Seite dringen plötzlich kräftige Trommelschläge ans Ohr. „Das klingt, als ob ein König im Palast empfangen wird“, erzählt Hastedt und leitet über zur Suite im alten Stil für Viola, Orchester und Cembalo von Dobrinka Tabakova – einer in London aufgewachsenen Bulgarin (geboren 1980). Das zeitgenössische Werk von 2006 ist eine Hommage an den französischen Bach-Zeitgenossen Jean-Philippe Rameau, orientiert sich somit an barocken Mustern. Gut zu hören sind diese bei den Jagdmotiven des Preludes oder den schwungvollen Festszenen zum Schluss, die etwas mehr Pomp vertragen hätten. Moderner, fast experimentell-verzerrt klingt der Gang „durch Korridore mit Spiegeln“. Dadurch, dass nur ausgewählte musikalische Motive erklingen – am Abend gibt es das Stück in ganzer Länge – kommt der Cembalist Johann Sonnleitner etwas zu kurz.

Nach Rosen duftend

Ausdrucksvoll und präsent dagegen das Spiel der Bratschistin Cheryl Swoboda, die beim ersten Satz dazu tritt und gleich ein virtuoses Solo darbietet. Die bezaubernd mystische Stimmung bei „Der Rosengarten, bei Mondlicht“ unterstreicht sie mit Wärme. Nach Rosen sollte es auch duften, ging doch jemand mit Zerstäuber durch die Zuschauerreihen. „Nach was riecht es?“, will Hastedt wissen. „Nach Parfüm“, sagt ein Mädchen.

Ein anderes zeigt indes, wie man sich vorm König verbeugt. Und wie temperamentvoll die Musik eines Zwölfjährigen klingt, präsentiert das Orchester zum Schluss mit Mendelssohns erstem Satz aus der Streichersinfonie Nr. 2. Ein Konzert mit Wiederholungswert.